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Unter der Schirmherrschaft des WFVD entwickelt die Northdocks GmbH eine offene, transparente, leicht verwendbare, bezahlbare und über das Internet zugängliche Trainingsplattform mit virtuellen Trainings.

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Raimund BücherCorona hat der Digitalisierung in Deutschland einen riesigen Schub gegeben. Als Schulen und Behörden über Wochen dichtmachten, Betriebe ihre Mitarbeiter zur Heimarbeit aufforderten, entdeckte eine ganze Nation, was man inzwischen alles schon über das Internet abwickeln kann: Unterricht per Rechner, Meetings per Laptop und – wie gesagt – Arbeit aus dem Homeoffice. Doch Corona hat zugleich gezeigt, dass Deutschland insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter lebt. Immer noch ist das Internet mentales Neuland.

Als die Bundeskanzlerin vor nahezu acht Jahren diese Formulierung wählte: „Das Internet ist für uns alle Neuland“, wurde sie verhöhnt und verlacht. Sie formulierte mit ihrem Statement unter anderem die Probleme, uns bekannte Vorschriften und Regelungen vom analogen in den digitalen Raum zu übertragen. Noch immer sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Die Corona-Krise hat aufgezeigt, wie aktuell diese Qualifizierung geblieben ist. Das zeigt sich besonders in der Abwicklung jener Vorgaben, mit denen Infektionsketten nachverfolgt werden sollen. Täglich wurden Millionen von Zetteln ausgefüllt, auf denen Besucher von Imbissen, Bars und Gaststätten notieren, an welchem Tag um welche Uhrzeit mit wem sie an welchem Tisch gesessen haben. Oft wurde ihnen dazu ein Stift in die Hand gedrückt, den zuvor schon Dutzende andere angefasst hatten. Abgesehen von der zusätzlichen Infektionsquelle: Diese Art der Datenerhebung machte es im Falle eines Falles immens schwer, nahezu unmöglich, in der nötigen Geschwindigkeit Infektionsabläufe nachzuvollziehen. Einige wenige Restaurants zeigten, wie es auch ginge: Dort konnten die Besucher mittels QR-Code ihre Daten vom Smartphone in eine Datenbank senden, in der die Daten auf Knopfdruck verfügbar sind. Kein mühsames Suchen durch Berge von Zetteln. Schnell, kontaktlos, effizient. So könnte es gehen. Aber in zu vielen Fällen tickt Deutschland immer noch anders. Kann es sein, dass Deutschland in großen Teilen die Digitalisierung nicht einmal verstanden hat? Vorübergehend erledigt hat sich diese Frage im Hinblick auf die Restaurants, denn die haben inzwischen wieder geschlossen.


 

Nein, die Übertragung von Schulunterricht per Video hat mit digitalem Lernen nichts zu tun. Bei wirklicher Digitalisierung in der Ausbildung muss es auch um neue Lerninhalte, interaktive und personalisierte Lernprogramme gehen. Wie Pilze schossen die neuen Ausbildungstools aus dem Boden – alle machen e-Learning oder eben Virtuell Reality (VR). Genau dort hat der WFVD in seiner Initiative „Zusammenarbeit 4.0“ angesetzt und beim 3. Workshop die schon mehrmals angekündigte – übrigens weit vor Corona initiierte - VR Plattform verabschiedet. Die Einführung in die Feuerwehrwelt ist jetzt zum Ende des Jahres 2020 real geworden. Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality (AR)-Anwendungen werden Ausbildung nachhaltig verändern. Wir helfen dabei mit und machen solche Optionen auf unserer Plattform auch den Kameraden aus dem öffentlichen Bereich zugänglich.

 

Zusammenarbeit 4.0 

Die Plattform mit ihrem solidarischen Modell zur Nutzung von VR in der Aus- und Fortbildung ist in unserer Initiative Zusammenarbeit 4.0 nur der erste Schritt. Das Thema bot sich an, denn Ausbildung ist für die Mannschaft eines jeden Bereiches relevant. Ein erneuter Schwenker in den öffentlichen Bereich – ist Industrie da wirklich besser? – mag verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf zur Zusammenarbeit weitaus größer ist und wir den Blickwinkel erweitern müssen. 40.000 verschiedene Software-Programme sind nach Expertenschätzungen derzeit in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Die meisten sind miteinander nicht kompatibel. Das erschwert die innerbehördliche Kommunikation, von Kommunikation mit anderen ganz zu schweigen. Ein erster – wirklich wichtiger Bereich in der Digitalisierung – ist die Kommunikation. Sie verändert sich, und damit auch die Zusammenarbeit. Unbestreitbar gilt dabei: Digitalisierung braucht Führung! Der notwendige Treiber der Digitalisierung, das Top-Management, muss die Digitalisierung vorleben und Commitment zeigen. Digitalisierungsprojekte müssen übergreifend gesteuert werden und sich an einem Ziel- und Leitbild orientieren. Es ist eindeutig: Über Digitalisierung kann man nicht zu viel kommunizieren.

 

Zum Zweiten wird das schon lange bekannte Schnittstellen-Thema in Zeiten von 4.0 besonderes Gewicht erhalten und noch zwingender zu bearbeiten sein als zuvor. Denn wie beschrieben, liegen Daten in verschiedenen Quellen, die ohne professionelle Hilfe schwierig miteinander zu kombinieren sind. Investitionen in einzelne digitale Lösungen führen aber nicht zur Digitalisierung des Gesamtsystems. Die Folge: Es entstehen nicht bewertbare Pilotprojekte oder Insellösungen, die personelle und finanzielle Ressourcen erfordern, aber keine quantifizierbaren Vorteile bringen, beziehungsweise nicht genutzt werden. Die Digitalisierung braucht passende Technologien und entsprechende Lösungen. Ebenso wichtig ist aber, dass die gesamte Organisation mit der Digitalisierung wächst und sich auch die Unternehmenskultur weiterentwickelt: Neue Kompetenzen bei den Mitarbeitern müssen aufgebaut, Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe aktiv und zielorientiert angepasst werden.

 

Der digitale Workshop

Ich werte es schon als etwas Besonderes, dass sich mittlerweile 65 Teilnehmer zum dritten Workshop der Initiative Zusammenarbeit 4.0 bereithielten und Interesse wie auch Willen zur Mitarbeit zeigten. Nein, Ende September konnten wir auch in diesem Fall keine Präsenzveranstaltung aufziehen. In einem Kreis, der sich mit 4.0-Themen beschäftigt, liegt die Lösung aber auf der Hand: Wir machen eine digitale Veranstaltung! Wenn nicht wir, wer sonst? Wobei es schon eine Herausforderung darstellt, wenn 65 Teilnehmer miteinander diskutieren wollen. Hinzu kommt: Die Grundidee eines jeden Workshops besteht darin, dass Gruppenarbeit die Kreativität kitzeln soll. Gruppenarbeit digital? Ja, neue Wege braucht das Land. Ich kann voller Stolz berichten, Gruppenarbeit geht auch online, und es tut der Qualität der Arbeit keinen Abbruch. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: Die, die jetzt mitwirken, sind die Willigen, die Offenen. Ein jeder hat ein, zwei, drei oder mehr neue Tools und Anwendungen kennengelernt, wie solch eine Arbeit aussehen kann. Diese kleinen gemeinsamen Erfolge nimmt uns niemand mehr. Zugleich ist uns bewusst geworden: Die digitale Bewegung kommt nicht mit einem Urknall, sondern mit vielen Schritten, kleinen Erfolgen und Misserfolgen in Offenheit. Learning by doing – genauer gesagt: Lernen durch Anwenden – so bewegen wir uns zwar nicht immer schnurgeradeaus, aber letztlich doch voran. Diese Erfahrungs- und Lernprozesse verändern den Mindset – das macht die Revolution aus!

 

Die VR-Plattform ist das erste greifbare Ergebnis unserer Initiative, wir können es auf der Erfolgsseite verbuchen. Was ist nun der nächste Schritt? Unser zweites Projekt, das wir gemeinsam im Workshop definiert haben, dreht sich um „Geräteprüfungen und Wartungszyklen“. Ein Team wird sich um zyklisch
wiederkehrende Prüfungen – wie bei Feuerlöschern, Brandschutztüren, Pumpen, bei Fahrzeugen, Messgeräten und im Atemschutz üblich – und um den Einsatz von Sensoren, Statusmeldungen o.ä. im
Sinne „proactive“ und „predictive maintenance“ kümmern. Ziel ist – so die Vorgabe für die Betrachtungen – eine partiell übertragbare Lösung, die nutzbar für andere sein kann. Der Plattform-Gedanke ist auch hier Blaupause für gemeinsame Ansätze und Zusammenarbeit.

Stellen Sie sich das doch einmal vor: Die Pumpe, die lange vor dem fälligen Wartungstermin selbst den Termin für den Prüfer klarmacht oder auch schon das erforderliche Ersatzmaterial auf den Weg bringt … Aber, bei allem Enthusiasmus für diese technologischen und organisatorischen Möglichkeiten haben wir noch einmal ausdrücklich festgehalten: Die Cloud jeglicher Art ist das Mittel, nicht der Zweck. Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Die spannende Zusammenarbeit wird fortgesetzt, und im März 2021 wird Neues zu berichten sein.

 

Workshop-Atmosphäre spürten auch die Teilnehmer der „Herbsttagung“. Muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass dies unsere erste informelle Online-Mitgliederversammlung war? Neben dringend zu regelnden vereinsrechtlichen Dingen – für die wir ein rechtskonformes, schriftliches Abstimmungsver- fahren genutzt haben – beherrschte das Thema Corona auch hier die Diskussion. Wie den Bestand sichern? Wie dem Auftrag, Informationen zum betrieblichen Brandschutz verteilen, folgen, wenn allenthalben die Pandemie den Auftritt behindert? Neue Wege braucht das Land. Wenn auch merklich anders, wir müssen und werden weiterhin netzwerken. Für uns heißt das: Das „Online-Symposium des WFVD“ wird eine eigene Marke! Wir erweitern damit unser Veranstaltungsangebot. Das Konzept, das wir ursprünglich nur entwickelt hatten, um im „Corona-Jahr“ eine Alternative zu unserem gestrichenen September-Treffen in Bad Dürkheim anzubieten, erwies sich als Volltreffer. Ich darf Sie jetzt schon herzlich einladen zu unserem zweiten Online-Symposium am 16. März 2020. Das heißt aber nicht, dass wir uns fortan nur noch digital austauschen! Die Fachzeitschrift WFV INFO ist für uns weiterhin ein wichtiges Sprachrohr für die Meinungsbildung. Und niemand wird glücklicher sein als ich, wenn ich Sie endlich wieder zu Präsenz-Veranstaltungen einladen kann. Sobald es wieder möglich wird, treffen wir uns „in echt“ und nicht nur auf dem Bildschirm.

 

Bewegung digital

Am 17.09.2020 wurde die Studie „Digitale Transformation in der zivilen Gefahrenabwehr“ abgeschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Die vorgelegte Studie (zu finden unter www.blaulicht.digital) offenbart aus Sicht der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb):

  • „ ... einen erheblichen Rückstand der Gefahrenabwehr in der digitalen Transformation und eine diesbezüglich große Unzufriedenheit der Mitwirkenden.“
  • „Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer hat den Eindruck, dass das Thema der digitalen Transformation in ihrer Organisation ,nie‘ bis ,eher selten‘ diskutiert wird.“

Wie gesagt, Deutschland lebt insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter. Immer noch ist das Internet mentales Neuland. Die vfdb fordert die Bündelung von Aufgaben, die sinnvollerweise einheitlich und zentral gelöst werden müssen, wie zum Beispiel die Ermittlung von Bedarfen und Standardprozessen, die Definition von Datenstandards und Schnittstellen. Die Forderung ist berechtigt, aber wer macht’s? Wir als Industrie versuchen die Versierten und Interessierten von Anwendern, Forschern, Herstellern und IT-Anbietern zusammen zu bringen. Das heißt: Wir fangen schon ‘mal an zu bündeln und vorzubereiten. Ist dafür – wie vom vfdb gefordert – die Schaffung einer weiteren Behörde erforderlich? Aus unserer Sicht nicht, aber natürlich sind wir stets zur Kooperation bereit.
Wir wollen das Bewusstsein schärfen, den Mindset ändern – statt des kleinsten gemeinsamen Nenners brauchen wir den kleinsten gemeinsamen Sinn!

 

Den kleinsten gemeinsamen Sinn? Das ist vielleicht der Ansatz in vielen Bereichen. Wenn schon Corona bewirkt hat, dass Familie mehr zusammenrückt, wieviel mehr gilt das, was uns im ganzen Jahr beschäftigt hat, gerade auch zu Weihnachten? Die über Land erkennbaren Ansätze von Solidarität, die Welle der nachbarschaftlichen Hilfe – ist das jetzt Ausdruck neu erkannter Nächstenliebe? Vielleicht können wir dieses Wiedererlangte doch erhalten? Das ist mir wesentlich lieber als jede lautstarke Verballhornung doch gemeinschaftlich zu tragender Nöte. Und wenn sich dann gar politische Agitation – von rechts oder links – der Besorgten und Bewegten bemächtigt, geht es ganz in die falsche Richtung. Ewig-Gestrigen gönnen wir das Wort nicht, wir positionieren uns deutlich gegen jede Vereinnahmung! Wir Feuerwehr- leute wissen: In Krisensituationen braucht es Ausdauer und Kondition. Beides hilft auch, die Corona-Zeit durchzustehen, jeden einzelnen Tag davon mit dem gleichen Ritual: Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen! Und nein, Minimalanforderungen sind kein Eingriff in unsere Grundrechte.

 

Bitte blocken: Termine im kommenden Jahr!

Vom großen Ganzen nochmal zurück zu unserem Verband und der Planung für 2021. Wie schon erwähnt, wir haben beides vor: eine weitere online-Veranstaltung in so unglaublich erfolgreicher Manier, aber auch das Traditionelle, womit an erster Stelle das Symposium in Bad Dürkheim gemeint ist. Allerdings: Alle Planung ist natürlich abhängig von der Lage. Auf der Herbstsitzung hat der WFVD beschlossen, das für Januar 2021 angesetzte Symposium in Berlin abzusagen – ebenso wie die Teilnahme an der Interschutz 2021, die aber zwischenzeitlich vom Veranstalter selbst gecancelt worden ist. Fest gesetzt hingegen ist der 16. März 2021 für das 2. Online-Symposium aus der Marienburg in Monheim am Rhein, bitte blocken Sie dafür Ihren Terminkalender!
Auch das Symposium in Bad Dürkheim ist nun als Präsenzveranstalttung abgesagt, wir treffen uns online: 21. September 2021

 

Ihr Raimund Bücher     

- Dante Alighieri

Raimund BücherAlle warten auf die Impfung. Das von uns allen erwartete Heilmittel steht aber erkennbar noch nicht in erforderlichem Umfang zur Verfügung. Das können wir bedauern, ändern können wir es wohl nicht. Es bleibt uns nichts anderes als zu warten, dass die Zeit sich wandelt.

Corona und …
Der Vormarsch der Mutationen macht deutlich, wie wichtig die Impfkampagne ist. Auch wenn viele Mutationen wohl nicht gefährlicher sind als das ursprüngliche Virus, gibt es jedoch Hinweise, dass sie möglicherweise ansteckender sind. Und mit einer höheren Anzahl an Infizierten steigen die Zahl der Schwerkranken und die Belastung des Gesundheitssystems. Darum sind alle Anstrengungen wichtig, um das Impfen voran zu bringen.

 

Noch bremst der Mangel an Impfstoff das Vorankommen. Doch in ein paar Wochen könnte sich das Blatt wenden. Wenn mehr Hersteller am Markt und genug Impfstoffe vorhanden sind, wird sich zeigen, ob die Organisation der Impfkampagne etwas taugt. Lassen Sie uns hoffen, dass die Verteilung der Menschen und Impfstoffe auf die Impfzentren – unter voller Ausschöpfung aller Kapazitäten – besser klappt als die Terminvergabe, wie wir sie bislang erleben.

Und lassen Sie uns in der Ordnung bleiben: Die Vorschläge der Impfkommission zur Reihenfolge, wer wann geimpft werden soll, helfen uns Diskussionen aus Neid und sonstigen Triebfedern vermeiden. Auch wenn die eine oder andere Einstufung nicht für jeden nachvollziehbar ist: Es hat sich schlicht niemand vorzudrängen!

Mich beruhigt, dass für die Zulassung weiterer Impfstoffe in der EU Zeit benötigt wird, weil ausreichend Sorgfalt der Grund dafür ist. Ich fasse mich lieber weiter in Geduld, halte mich weiter an bekannte Konzepte auf Abstand und Vereinzelung und werde gut bedacht versorgt, als dass schnelle Lösungen aus Russland oder China aus weltpolitischen Gründen hier auf den Markt gebracht, eben diesen überschwemmen und Risiken noch weniger kalkulierbar würden als vordem.

Dass wir jetzt überhaupt über die Verteilung nachdenken können, ist den Leuten zu verdanken, die wie Biontech schon vor der Zeit kräftig angepackt haben und handelten. Solchen Wissenschaftlern gebührt unser aller Dank. Frei nach Tommy Lasorda dem vor kurzem verstorbenen Baseball-Hero der Los Angeles Dodgers: „Der Unterschied zwischen dem Unmöglichen und dem Möglichen liegt in der Entschlossenheit einzelner Personen“. Dass die Forscher mehr über das Entwickeln eines Impfstoffes nachgedacht haben als über die Produktion ausreichender Mengen an Impfstoff oder die Verteilung derselben, kann man diesen Forschern doch wohl nicht zum Vorwurf machen. Das ausgerechnet Biontech jetzt über weitere Produktionsstandorte und den Einsatz von Logistik-Software nachdenkt, spricht für wenig Vertrauen in staatliche Fähigkeiten.

Wichtig, dass Bund und Länder weiter lernen: keine unerfüllbaren Erwartungen wecken, aber auf Strukturen zurückgreifen, die sich am Markt bewährt haben. Warum nutzt man für eine Terminvergabe nicht bundeseinheitlich so etwas wie eine Ticketsoftware, die im Kulturbereich schon lange erprobt ist? Die Diskussionen um unterschiedliches Herangehen in den Ländern hätte man sich doch wirklich sparen können.

Die Zeit wandelt sich sicher und die Kampagne „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“ bekommt Schwung, wenn genug Impfstoff vorhanden ist und niedergelassene Ärzte impfen können, wie sie es beim Grippeschutz schon einige Jahre machen. Umso wichtiger, dass dann die Logistik läuft.

 

Das 2. Online-Symposium

„… der andere packt sie kräftig an und handelt“, ich möchte den zweiten Teil des Dante-Zitats zum Umgang mit der Zeit und dem Wandel nochmal aufgreifen. Vor gut sieben Jahrhunderten hat er diese Zeilen verfasst – und was fällt mir bei der Lektüre als erstes ein? Die Organisation unseres ersten online-Symposiums im September letzten Jahres! Auftritt und Rahmenbedingungen – z.B. der kostenlose Zugang – führten zu sagenhaftem Erfolg wie berichtet, haben aber die Kasse auch ordentlich belastet. Die Notwendigkeit, unser Netzwerk trotz Corona weiter bedienen zu müssen, verlangt die Wiederholung. So entschieden die Mitglieder im WFVD dann auch logisch, dass statt des ausgefallenen Symposiums in Berlin im Januar 2021 eine Online-Veranstaltung stattfinden muss. Der grundsätzliche Ansatz, kostenlos Zugang gewähren, wurde bestätigt, der finanzielle Rahmen allerdings erheblich eingeschränkt. Erste Reaktion der Ausführenden: nicht zu schaffen! Allerdings besteht doch dem Schriftsteller Marcel Aymé zufolge „das größte Vergnügen im Leben darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertig bringt!“

 

Wir haben es fertiggebracht – unser zweites Online-Symposium! Der kurze Bericht über das „Making off“ in dieser Ausgabe der WFV INFO lässt erahnen, was da zu stemmen war:
Vorgaben zu Covid 19 ließen selbst einen abgespeckten Auftritt in der Marienburg in Monheim nicht zu. Alle Beteiligten – Referenten wie Moderatoren - wurden dieses Mal deshalb „zugeschaltet“. Gab es beim ersten Mal im September 20 noch die aufregende Situation der Zuschaltung zweier Kollegen aus München, kam die Sendung jetzt alternativlos komplett aus dem Studio der Fa. Latteyer – also wirklich online.

Insgesamt 35 Aussteller umrahmten das Symposium mit Ihren online-Werbungen und halfen über ihren Beitrag zum finanziell positiven Abschluss der Veranstaltung. Allen Mitwirkenden sei an dieser Stelle Dank gesagt.

Ihnen, liebe Leser, bleiben die Vorträge und Beiträge in bekannter Manier verfügbar, in der WFV INFO oder hier auf der Internetseite wfvd.de.

Da berichten Experten von Currenta über Erfahrungen und Ergebnisse von Gefährdungsbeurteilungen zu „Psychischer Belastung“ bei Werkfeuerwehren oder Vertreterinnen der Berliner Feuerwehr von einem Forschungsprojekt „posttraumatische Belastungsstörungen bei Feuerwehrleuten“. Da zeigen Vertreter der großen Hersteller ihre Beiträge zum Thema 4.0 oder öffnet Stefan Truthähn von hhp Berlin den Blick auf die Stadt der Zukunft.

 

4.0 Zusammenarbeit

Ebenfalls im März 2021 startete der nunmehr 4. Workshop zum Thema 4.0 Zusammenarbeit. Immer noch treibt uns die Fragestellung an: Was muss sich ändern in der Zusammenarbeit aller Handelnden, wenn die Digitalisierung wahrlich als eine Welle über uns kommt? Die erste Initiative des Arbeitskreises war die Ihnen bereits bekannte VR-Plattform. Diese wächst weiter: Einer der großen Hersteller hat gerade seine Kampagne mit neuen Beiträgen zur Plattform unter die Leute gebracht. Wie berichtet, wenden wir uns dem Thema „predictive maintenance“ zu. Einzelnen Kritikern der Initiative sei mit Hermann Hesse entgegnet: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Stephan Hummel zeigte beim Online- Symposium den Einsatz von Drohnen zur Einsatzleitung im Krisenmanagement – die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

 

Ausblick 2021 ff

Allem Drängen nach Präsenzveranstaltungen zum Trotz hat der WFVD Anfang März das Symposium in Bad Dürkheim 2021 abgesagt. Die „Impf-Garantie“ der Bundeskanzlerin, nach der jedem Willigen bis September eine Impfung angeboten werden soll, kam für unsere Terminierung zu knapp. Wir werden als Ersatz wiederum eine Online-Veranstaltung anbieten. Blockieren Sie bitte Dienstag, den 21. September 2021.

Fest im Plan, und dann als Präsenz-Veranstaltung, steht im Januar 2022 das Berlin-Symposium: 13.+14. Januar.

Für diesen Standpunkt habe ich mich – wie Sie gemerkt haben – von Dichtern und Schriftstellern inspirieren lassen. Keiner von ihnen konnte Einspruch erheben. Doch was würde Dante tun, wenn er wüsste, dass ich ihn nicht nur zitiere, sondern seine Worte zu guter Letzt im Sinne unseres Verbands auch noch ein wenig abwandeln will? Er würde mich mit seinem Federkiel mitten ins feurige Inferno seiner „Divina Commedia“ stoßen! Sei’s drum, wozu bin ich Feuerwehrmann?

Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der WFVD packt sie kräftig an und handelt.

Ihr Raimund Bücher

Raimund BücherCorona hat der Digitalisierung in Deutschland einen riesigen Schub gegeben. Als Schulen und Behörden über Wochen dichtmachten, Betriebe ihre Mitarbeiter zur Heimarbeit aufforderten, entdeckte eine ganze Nation, was man inzwischen alles schon über das Internet abwickeln kann. Unterricht per Rechner, Meetings per Laptop und ­­­– wie gesagt – ­Arbeit aus dem Homeoffice. Doch Corona hat zugleich gezeigt, dass Deutschland insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter lebt. Immer noch ist das Internet mentales Neuland.

Als die Bundeskanzlerin vor nahezu acht Jahren diese Formulierung wählte: „Das Internet ist für uns alle Neuland“, wurde sie verhöhnt und verlacht. Sie formulierte mit ihrem Statement unter anderem die Probleme, uns bekannte Vorschriften und Regelungen vom analogen in den digitalen Raum zu übertragen. Noch immer sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Die Corona-Krise hat aufgezeigt, wie aktuell diese Qualifizierung geblieben ist. Das zeigt sich besonders in der Abwicklung jener Vorgaben, mit denen Infektionsketten nachverfolgt werden sollen. Täglich wurden Millionen von Zetteln ausgefüllt, auf denen Besucher von Imbissen, Bars und Gaststätten notieren, an welchem Tag um welche Uhrzeit mit wem sie an welchem Tisch gesessen haben.  Oft wurde ihnen dazu ein Stift in die Hand gedrückt, den zuvor schon Dutzende andere angefasst hatten. Abgesehen von der zusätzlichen Infektionsquelle: Diese Art der Datenerhebung machte es im Falle eines Falles immens schwer, nahezu unmöglich, in der nötigen Geschwindigkeit Infektionsabläufe nachzuvollziehen. Einige wenige Restaurants zeigten, wie es auch ginge: Dort konnten die Besucher mittels QR-Code ihre Daten vom Smartphone in eine Datenbank senden, in der die Daten auf Knopfdruck verfügbar sind. Kein mühsames Suchen durch Berge von Zetteln. Schnell, kontaktlos, effizient. So könnte es gehen. Aber in zu vielen Fällen tickt Deutschland immer noch anders.  Kann es sein, dass Deutschland in großen Teilen die Digitalisierung nicht einmal verstanden hat? Vorübergehend erledigt hat sich diese Frage im Hinblick auf die Restaurants, denn die haben inzwischen wieder geschlossen.

 

Nein, die Übertragung von Schulunterricht per Video hat mit digitalem Lernen nichts zu tun. Bei wirklicher Digitalisierung in der Ausbildung muss es auch um neue Lerninhalte, interaktive und personalisierte Lernprogramme gehen.  Wie Pilze schossen die neuen Ausbildungstools aus dem Boden – alle machen e-Learning oder eben Virtuell Reality (VR). Genau dort hat der WFVD in seiner Initiative „Zusammenarbeit 4.0“ angesetzt und beim 3. Workshop die schon mehrmals angekündigte – übrigens weit vor Corona initiierte - VR Plattform verabschiedet.  Die Einführung in die Feuerwehrwelt ist jetzt zum Ende des Jahres 2020 real geworden. Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality (AR)-Anwendungen werden Ausbildung nachhaltig verändern. Wir helfen dabei mit und machen solche Optionen auf unserer Plattform auch den Kameraden aus dem öffentlichen Bereich zugänglich.

 

Zusammenarbeit 4.0 

Die Plattform mit ihrem solidarischen Modell zur Nutzung von VR in der Aus- und Fortbildung ist in unserer Initiative Zusammenarbeit 4.0 nur der erste Schritt. Das Thema bot sich an, denn Ausbildung ist für die Mannschaft eines jeden Bereiches relevant. Ein erneuter Schwenker in den öffentlichen Bereich – Ist Industrie da wirklich besser? – mag verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf zur Zusammenarbeit weitaus größer ist und wir den Blickwinkel erweitern müssen.  40.000 verschiedene Software-Programme sind nach Expertenschätzungen derzeit in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Die meisten sind miteinander nicht kompatibel. Das erschwert die innerbehördliche Kommunikation, von Kommunikation mit anderen ganz zu schweigen. Ein erster – wirklich wichtiger Bereich in der Digitalisierung  – ist die Kommunikation.   Sie verändert sich, und damit auch die Zusammenarbeit. Unbestreitbar gilt dabei: Digitalisierung braucht Führung! –Der notwendige Treiber der Digitalisierung, das Top-Management, muss die Digitalisierung vorleben und Commitment zeigen. Digitalisierungsprojekte müssen übergreifend gesteuert werden und sich an einem Ziel- und Leitbild orientieren. Es ist eindeutig: Über Digitalisierung kann man nicht zu viel kommunizieren.

 

Zum zweiten wird das schon lange bekannte Schnittstellen-Thema in Zeiten von 4.0 besonderes Gewicht erhalten und noch zwingender zu bearbeiten sein als zuvor. Denn wie beschrieben, liegen Daten in verschiedenen Quellen, die ohne professionelle Hilfe schwierig miteinander zu kombinieren sind. Investitionen in einzelne digitale Lösungen führen aber nicht zur Digitalisierung  des Gesamtsystems. Die Folge: Es entstehen nicht bewertbare Pilotprojekte oder Insellösungen, die personelle und finanzielle Ressourcen erfordern, aber keine quantifizierbaren Vorteile bringen, beziehungsweise nicht genutzt werden. Die Digitalisierung braucht passende Technologien und entsprechende Lösungen. Ebenso wichtig ist aber, dass die gesamte Organisation mit der Digitalisierung wächst und sich auch die Unternehmenskultur weiterentwickelt: Neue Kompetenzen bei den Mitarbeitern müssen aufgebaut, Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe aktiv und zielorientiert angepasst werden.

 

Der digitale Workshop

Ich werte es schon als etwas Besonderes, dass sich mittlerweile 65 Teilnehmer Ende September zum dritten Workshop der Initiative Zusammenarbeit 4.0 bereithielten und Interesse wie auch Willen zur Mitarbeit zeigten. Nein, wir konnten auch in diesem Fall keine Präsenzveranstaltung aufziehen. In einem Kreis, der sich mit 4.0-Themen beschäftigt, liegt die Lösung aber auf der Hand:  Wir machen eine digitale Veranstaltung!  Wenn nicht wir, wer sonst? Wobei es schon eine Herausforderung darstellt, wenn 65 Teilnehmer miteinander diskutieren wollen. Hinzu kommt: Die Grundidee eines jeden Workshops besteht darin, dass Gruppenarbeit die Kreativität kitzeln soll. Gruppenarbeit digital? Ja, neue Wege braucht das Land. Ich kann voller Stolz berichten, Gruppenarbeit geht auch online, und es tut der Qualität der Arbeit keinen Abbruch. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: Die, die jetzt mitwirken, sind die Willigen, die Offenen. Ein jeder hat eins, zwei, drei oder mehr neue Tools und Anwendungen kennengelernt, wie solch eine Arbeit aussehen kann.  Diese kleinen gemeinsamen Erfolge nimmt uns niemand mehr. Zugleich ist uns bewusst geworden: Die digitale Bewegung kommt nicht mit einem Urknall, sondern mit vielen Schritten, kleinen Erfolgen und Misserfolgen in Offenheit. Learning by doing – genauer gesagt: Lernen durch Anwenden – so bewegen wir uns zwar nicht immer schnurgeradeaus, aber letztlich doch voran. Diese Erfahrungs- und Lernprozesse verändern den Mindset – das macht die Revolution aus!

 

Die VR-Plattform ist das erste greifbare Ergebnis unserer Initiative, wir können es auf der Erfolgsseite verbuchen. Was ist nun der nächste Schritt? Unser zweites Projekt, das wir gemeinsam im Workshop definiert haben, dreht sich um „Geräteprüfungen und Wartungszyklen“. Ein Team wird sich um zyklisch wiederkehrende Prüfungen – wie bei Feuerlöschern, Brandschutztüren, Pumpen, bei Fahrzeugen, Messgeräten und im Atemschutz üblich – und um den Einsatz von Sensoren, Statusmeldungen o.ä. im Sinne „proactive“ und „predictive maintenance“ kümmern.  Ziel ist – so die Vorgabe für die Betrachtungen – eine partiell übertragbare Lösung, die nutzbar für andere sein kann. Der Plattform-Gedanke ist auch hier Blaupause für gemeinsame Ansätze und Zusammenarbeit.

Stellen Sie es sich das doch einmal vor: Die Pumpe, die lange vor dem fälligen Wartungstermin selbst den Termin für den Prüfer klarmacht oder auch schon das erforderliche Ersatzmaterial auf den Weg bringt … Aber, bei allem Enthusiasmus für diese technologischen und organisatorischen Möglichkeiten haben wir noch einmal ausdrücklich festgehalten: Die Cloud jeglicher Art ist das Mittel, nicht der Zweck. Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Die spannende Zusammenarbeit wird fortgesetzt, und im März 2021 wird Neues zu berichten sein.

 

Workshop-Atmosphäre spürten auch die Teilnehmer der „Herbsttagung“. Muss ich noch ausdrücklich erwähnen, dass dies unsere erste informelle Online-Mitgliederversammlung war? Neben dringend zu regelnden vereinsrechtlichen Dingen – für die wir ein rechtskonformes, schriftliches Abstimmungsverfahren genutzt haben – beherrschte das Thema Corona auch hier die Diskussion. Wie den Bestand sichern? Wie dem Auftrag, Informationen zum betrieblichen Brandschutz verteilen, folgen, wenn allenthalben die Pandemie den Auftritt behindert? Neue Wege braucht das Land. Wenn auch merklich anders, wir müssen und werden weiterhin netzwerken. Für uns heißt das:  Das „Online-Symposium des WFVD“ wird eine eigene Marke! Wir erweitern damit unser Veranstaltungsangebot. Das Konzept, das wir ursprünglich nur entwickelt hatten, um im „Corona-Jahr“ eine Alternative zu unserem gestrichenen September-Treffen in Bad Dürkheim anzubieten, erwies sich als Volltreffer. Ich darf Sie jetzt schon herzlich einladen zu unserem zweiten Online-Symposium am 16. März 2020.   Das heißt aber nicht, dass wir uns fortan nur noch digital austauschen! Die Fachzeitschrift WFV INFO ist für uns weiterhin ein wichtiges Sprachrohr für die Meinungsbildung.  Und niemand wird glücklicher sein als ich, wenn ich Sie endlich wieder zu Präsenz-Veranstaltungen einladen kann. Sobald es wieder möglich wird, treffen wir uns „in echt“ und nicht nur auf dem Bildschirm.

 

Bewegung digital

„Am 17.09.2020 wurde die Studie ‘Digitale Transformation in der zivilen Gefahrenabwehr‘ abgeschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Die vorgelegte Studie (zu finden unter www.blaulicht.digital) offenbart aus Sicht der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb):

  • einen erheblichen Rückstand der Gefahrenabwehr in der digitalen Transformation und eine

diesbezüglich große Unzufriedenheit der Mitwirkenden.“ – „Über die Hälfte der Umfrageteil-nehmer hat den Eindruck, dass das Thema der digitalen Transformation in ihrer Organisation „nie“ bis „eher selten“ diskutiert wird.“

Wie gesagt, Deutschland lebt insgesamt noch nicht im Digitalzeitalter. Immer noch ist das Internet mentales Neuland. Die vfdb fordert die Bündelung von Aufgaben, die sinnvollerweise einheitlich und zentral gelöst werden müssen, wie zum Beispiel die Ermittlung von Bedarfen und Standardprozessen, die Definition von Datenstandards und Schnittstellen. Die Forderung ist berechtigt, aber wer macht’s? Wir als Industrie versuchen die Versierten und Interessierten von Anwendern, Forschern, Herstellern und IT-Anbietern zusammen zu bringen. Das heißt: Wir fangen schon ´mal an zu bündeln und vorzubereiten. Ist dafür – wie vom vfdb gefordert – die Schaffung einer weiteren Behörde erforderlich? Aus unserer Sicht nicht, aber natürlich sind wir stets zur Kooperation bereit. Wir wollen das Bewusstsein schärfen, den Mindset ändern – statt des kleinsten gemeinsamen Nenners brauchen wir den kleinsten gemeinsamen Sinn!

 

Den kleinsten gemeinsamen Sinn? Das ist vielleicht der Ansatz in vielen Bereichen. Wenn schon Corona bewirkt hat, dass Familie mehr zusammenrückt, wieviel mehr gilt das, was uns im ganzen Jahr beschäftigt hat, gerade auch zu Weihnachten? Die über Land erkennbaren Ansätze von Solidarität, die Welle der nachbarschaftlichen Hilfe – ist das jetzt Ausdruck neu erkannter Nächstenliebe? Vielleicht können wir dieses Wiedererlangte doch erhalten? Es ist mir wesentlich lieber als jede lautstarke Verballhornung doch gemeinschaftlich zu tragender Nöte. Und wenn sich dann gar politische Agitation – von rechts oder links - der Besorgten und Bewegten bemächtigt, geht es ganz in die falsche Richtung. Ewig-Gestrigen gönnen wir das Wort nicht, wir positionieren uns deutlich gegen jede Vereinnahmung!  Wir Feuerwehrleute wissen: In Krisensituationen braucht es Ausdauer und Kondition. Beides hilft auch, die Corona-Zeit durchzustehen, jeden einzelnen Tag davon mit dem gleichen Ritual: Der:  Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen! Und nein, Minimalanforderungen sind kein Eingriff in unsere Grundrechte.

 

Bitte blocken: Termine im kommenden Jahr !

Vom großen Ganzen nochmal zurück zu unserem Verband und der Planung für 2021. Wie schon erwähnt, wie haben beides vor:   eine weitere online-Veranstaltung in so unglaublich erfolgreicher Manier, aber auch das Traditionelle, womit an erster Stelle das Symposium in Bad Dürkheim gemeint ist.  Allerdings: Alle Planung ist natürlich abhängig von der Lage. Auf der Herbstsitzung hat der WFVD beschlossen, das für Januar 2021 angesetzte Symposium in Berlin abzusagen – ebenso wie die Teilnahme an der Interschutz 2021, die aber zwischenzeitlich vom Veranstalter selbst gecancelt worden ist.  Fest gesetzt hingegen ist der 16. März 2021 für das 2. Online-Symposium aus der Marienburg in Monheim am Rhein, bitte blocken Sie dafür Ihren Terminkalender!

Was geht in der zweiten Jahreshälfte? Mal schauen! Zum einen hoffen wir alle darauf, dass bis dahin schon ein erheblicher Teil der Bevölkerung dank Impfung vor COVID-19 geschützt ist. Zum anderen glaubt die Fachwelt, dass die Messe Florian, die vfdb-Jahresfachtagung und die Messe A+A ohne/mit Corona-Einschränkungen stattfinden können. Also können wir doch auch auf eine Präsenzveranstaltung in Bad Dürkheim hoffen! Bitte blocken Sie auch den Termin 21.+22.September 2021.

Bis zum nächsten Treffen Ihnen und Ihren Familien alles erdenklich Gute – bleiben Sie gesund! Wir freuen uns auf gemeinsame Themen in 2021.

 

Ihr Raimund Bücher     

 

Raimund BücherAlle sind scheinbar im Stimmungstief. Es nerven die endlosen Debatten, wer wann und wo einen Impftermin bekommt; zumal die Ankündigungen oft mehrfach revidiert werden, weil doch noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht und gleichzeitig – im Wettlauf gegen die Delta-Variante – ein höheres Impftempo gefordert wird. Viele haben die unzähligen Lockdowns satt und wer hat nicht den Wunsch, im Privatleben zur Normalität zurückkehren zu können? Den Betrieben drohen immer neue Auswüchse. Sogar über das Arbeitsschutzrecht werden diese Auflagen den Unternehmen als Pflicht auferlegt.

Das alles macht müde – auch uns. Gibt es keine anderen Themen mehr? Dorothee Krings hat zum Thema Müdigkeit in der Rheinischen Post Position bezogen und mich inspiriert, ihren Gedanken meine eigenen hinzufügen.

„MÜDIGKEIT – ein angenehmer Dämmerzustand, eine süße Belohnung nach getaner Arbeit. Ein Beine hochlegen, in die Sonne blinzeln, Fortschlummern“, schreibt Dorothee Krings. „Müdigkeit in seiner edelsten Form kann ein vollkommenes Einwilligen ins Dasein sein. Doch, was viele Menschen heute erleben, ist anders. Die Corona-Müdigkeit ist leer, öde und unzufrieden. Sie entsteht durch immer das Gleiche, zu wenig Bewegung, zu viel an Trott. Sie entsteht vor allem durch das Gefühl, in einer Endlosschleife gefangen zu sein, in der sich Debatten über Inzidenz-Grenzwerte, Impfstoffbeschaffung und Provisionen für welche Güter auch immer zu wiederholen scheinen. Und alles, was Hoffnung macht – sorry, falsch geplant, erst nächste Woche losgehen kann.“

 

Allgemein stecken wir im Zermürbungstief und sind voller Enttäuschung – enttäuscht von der Politik, enttäuscht von uns selbst. Deutschland muss sich allerhand Fehler eingestehen, verplemperter Sommer 2020, verschlafene Digitalisierung, und allmählich empfinden selbst die Geduldigen das Zuhausebleiben nicht mehr als wirkvolles Mittel gegen die Pandemie. Die Kommunikation über das eine oder andere Thema ist verbesserungswürdig. Wenn man doch vernünftig erklären könnte: Warum macht das Einschränken im Familienleben Sinn, wenn dann doch die Zahlen wieder steigen? Kurz und gut, diese „Müdigkeit“ ist anders.

„Wenn der Kampf gegen Corona also weiterhin eine gemeinschaftliche Anstrengung sein soll, muss etwas geschehen gegen die Corona-Müdigkeit“, fordert Dorothee Krings. „Statt in der Vorstellung zu verharren, die Pandemie könne durch die x-te Lockdown-Verlängerung ausgehungert werden, müssen endlich Leitlinien vorgeben werden, wie mit Schnelltests, Luftfiltern und intelligenten Hygienekonzepten das soziale Leben wieder aufleben könnte. Oder hat Politik nur eine moralisierende Entscheidungsfindung bei der Frage, was verboten und erlaubt werden kann?“ Wichtig wäre ein virologischer Pragmatismus, der letztlich fragt: Mit welchen Rahmenbedingungen können mit guten Konzepten zeitnah Freiräume eröffnet werden? Vor allem, wenn sich die Impfungen weiter hinziehen und sie uns am Ende vielleicht doch nicht vollständig von der Pandemie erlösen, dann wird sich zeigen: Corona-Müdigkeit ist eine Folge von Perspektivlosigkeit.

Was nottut ist einerseits, dass nun endlich in Gang kommt, was viele zu oft nur als angekündigt und wieder einkassiert registriert haben: Impfen und Testen im großen Stil. Andererseits scheint genauso wichtig, die wenigen Öffnungen im Kultur-, Sport-, Konsumbereich als das zu betrachten, was sie sind: Ventile, um Frust abzulassen. Das sind Spielräume, in denen Menschen sich wieder anders erleben können als daheim, denn alle Gesellschaftsspiele sind gespielt, alle Spazierwege in der näheren Umgebung abgeschritten. Aber vorsichtig und bedacht: Die so lange ersehnten Mini-Lockerungen, das Einkaufen mit Termin, das Öffnen der Museen, sind vertretbare und für das soziale Leben dringend notwendige Erleichterungen. Doch auch, wenn sie von den Corona-Müden als Startsignal gewertet werden möchten, im privaten Leben Einiges nachholen zu können: Dies ist noch nicht Lösung zurück in das unbeschwerte Leben, allenfalls sind es erste Schritte zu etwas mehr „Normalität“. Normalität, wie wir sie kannten, scheint noch weit entfernt. Sollten wir uns besser auf eine „neue Normalität“ einstellen? Ob es uns passt oder nicht, es liegt weiterhin an jedem Einzelnen, dem Virus im privaten Bereich nicht zu viele Chancen zu geben. Es ist vieles schlecht gelaufen, und die grassierende Corona-Müdigkeit ist verständlich. Aus dem „mütend“-Gefühl heraus unvorsichtig zu werden, wäre jedoch fatal.

Gegen das, was da alles müde macht und nervt, hilft Kreativität. Die zeigt sich auch in den mehr als 1.000 neuen Wortbildungen, die während der Pandemie Teil unseres Wortschatzes geworden sind – so wie „mütend“, die spontan erfundene Kombination aus „müde“ und „wütend“. Aber Kreativität allein reicht nicht, um den „mütend“-Zustand zu überwinden, das gelingt am ehesten mit sinnvoller Beschäftigung. Denn es lechzen alle, endlich wieder Sinnvolles zu tun. Oder ist es so, dass der Mensch sich einmal mehr während Corona verhält, als sei nur sein Leben schützenswert?

 

UMWELTSCHUTZ JETZT

Nachdem sich in Dänemark auf mehreren Nerzfarmen Tiere und Menschen mit Corona-Mutationen infiziert hatten, fielen hunderttausende Nerze dem Infektionsschutz zum Opfer. Die Entsorgung der Kadaver hat zu Umweltproblemen geführt, die einer biblischen Plage in nichts nachstehen. Tiere und Umwelt sind aber auch bei uns betroffen: Gefühlt waren auf den Straßen und in den Parks nie so viele Jogger unterwegs wie während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Ältere Ehepaare wie junge Pärchen, ganze Familien sind bei der morgendlichen Runde zu beobachten oder scheinen plötzlich die Freuden des Spazierengehens für sich entdeckt zu haben. Auf Naturschutzgebiete herrscht bei stillgelegtem Gesellschaftsleben mehr Andrang. Es gibt Studien, die zeigen, dass 26 Prozent der Menschen, die sich während der ersten Pandemiemonate in Parks aufhielten, im Jahr zuvor kein einziges Mal in der Natur gewesen waren. Zwei Drittel der Befragten gaben an, mehr im Garten zu arbeiten als im Vorjahr, die Hälfte der Antwortgebenden verbrachte mehr Zeit in der Natur, um zu fotografieren oder sich sonst irgendwie künstlerisch zu betätigen. Ganze 64 Prozent beobachteten im Frühjahr 2020 öfter Wildtiere als sonst.

 

Das ist einerseits schön, andererseits auch traurig. Offenbar bedurfte es erst einer Katastrophe wie Corona, um den Menschen bewusst zu machen, wie erholsam und beruhigend es ist, sich draußen aufzuhalten. Und es ist paradox. Schließlich war es auch der rücksichtslose Umgang mit der Natur, der den Ausbruch der Pandemie begünstigt hat. War das nicht anfangs die Botschaft? Das Coronavirus ist von Tieren auf Menschen übergesprungen; wahrscheinlich auf einem Markt, auf dem Wildtiere in engen Käfigen zusammengepfercht werden. Inzwischen richtet sich das Augenmerk zwar auch auf andere mögliche Ursachen, doch Fakt ist: Die Art und Weise, wie unsere Spezies mit allen anderen auf diesem Planeten umspringt, erhöht die Gefahr neuer Pandemien.

Zuhause entsteht mehr Verpackungsmüll. Außerdem verbraucht man viel Energie. Dem nicht genug, liegen draußen medizinische Einweg-Produkte herum. Umweltschutz scheint in der Pandemie nur noch peripher zu interessieren. Ein offensichtlicher Fehler: Ohne einen schonenden Umgang mit der Umwelt wird COVID-19 nicht die letzte Pandemie der Gegenwartsgeschichte sein. Können wir dieses Risiko eingehen? Allein durch das Corona-Virus starben und sterben weiterhin weltweit überproportional viele Menschen, scheinbar schneller, in jedem Fall mehr wahrgenommen als durch den Klimawandel, der als Todesursache nicht so eindeutig zu benennen ist. Doch beides – vom Menschen (mit)verursachter Klimawandel und Pandemie-Gefahr – sind Teil desselben Problems. Das macht es umso erschreckender, dass ein Großteil nicht auf Umweltschutz achtet. Dabei wäre etwas ökologische Rücksicht auch in der Corona-Zeit leicht umzusetzen. Die Furcht vor Corona hat uns gelehrt, im Alltag vorsichtig, überlegt und bewusst präventiv zu agieren. Genau das erfordert auch die Klimakrise. Müdigkeit können wir uns nicht leisten!

 

WEITER AUF DER SUCHE NACH SINNVOLLER BESCHÄFTIGUNG: DIGITAL AUS DER KRISE

Welchen Klang hat das Wort „Digitalisierung“ in Ihren Ohren? Schwingt vielleicht schon ein bisschen Routine mit? Immerhin gibt es praktisch keinen Lebens- und Arbeitsraum mehr ohne. Das Zuhause ist vielleicht schon smart, in der Firma wird digitalisiert auf Teufel komm raus – und die virtuelle Brücke zwischen beiden Welten heißt Teams-Meeting.

Doch für Gewöhnung ist noch lange nicht die Zeit. Denn Digitalisierung heißt vor allem Feuer, Dynamik und Erneuerung – und Corona hat die Schubkraft für diesen umfassenden Prozess in vieler Hinsicht noch einmal kräftig hochgefahren. Die erste Auflage unseres Online-Symposiums war schon ein repräsentativer Teil dieser Digitalisierungs-Dynamik, das zweite hatte bereits einen beinahe professionellen Standard, der sich dann noch ausgeprägter beim 4. Workshop zur 4.0 Zusammenarbeit zeigte. – Der WFVD versteht sich nicht nur als Begleiter der mit den Begriffen Digitalisierung oder Industrie 4.0 beschriebenen Entwicklungen. Wir wollen selbst Teil und Antreiber des Wandels sein. Neben dem Dauerbrenner der weiterhin aktuellen VR-Plattform steht nun auch das Thema Inspektion und vorausschauende Wartung auf der Agenda unserer Initiative „4.0 Zusammenarbeit“. Der letzte Workshop im März 2021 beschäftigte sich mit eben dieser Thematik. Die optimale Planung von Wartungsvorgängen sowie die Minimierung von Ausfallzeiten durch vorausschauende Wartungen und den rechtzeitigen Austausch von Bauteilen sind entscheidende Schritte für eine effektive Betriebsführung, auch bei der Werkfeuerwehr, oder?

Durch die Digitalisierung des Betriebes und die Nutzung von Echtzeitdaten, etwa mittels Sensorik und digitalen Anwendungen, könnte das Personal im Falle einer Abweichung schnell alarmiert werden. So ließen sich sowohl geplante als auch ungeplante Ausfallzeiten drastisch reduzieren. Der positive Effekt: geringere Kosten für Neuanschaffungen! Zudem sollte dann auch keine Frist für die zahlreichen Überprüfungen oder vorgeschriebenen Wartungen in einer Wehr mehr versehentlich verloren gehen. Wenn zudem der Prozess der Wartung selbst optimiert werden kann, Abläufe hinterfragt und neugeordnet werden, wird der erhebliche Nutzen offensichtlich. Das allein sei der Treiber für Digitalisierung: offensichtlicher Nutzen.

Das Vorhaben sollte uns unterstützen, alle zu prüfenden Gegenstände der Werkfeuerwehr regelmäßig und fristgerecht zu prüfen und eine nachvollziehbare und übersichtliche Dokumentation zu gewährleisten. Dadurch stellen wir sicher, dass im Einsatz alle Gegenstände sicher und funktionstüchtig sind. Mit der Zusammenführung und Vereinheitlichung der verschiedenen Aufgabenbereiche in der Werkfeuerwehr sorgen wir für größtmögliche Übersicht und Transparenz.

Neben der grundsätzlichen Beantwortung der Frage – Was hat der Geräteprüfer davon? – müssen zu Beginn natürlich Daten erhoben werden. Um die Geräteprüfung im Sinne der Industrie 4.0 zu digitalisieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung optimal auszureizen, ist es essentiell, Daten zu erfassen, zentral zu sammeln, diese aggregieren und auszuwerten zu können, so dass die daraus entstandenen Erkenntnisse jederzeit und überall in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Ist dieser Schritt der Datenerhebung erledigt, stellt sich die Frage nach der Verwaltung. Dafür ist es aber nicht nur mit einer neuen Software getan. Vielfach kommt auch die Frage auf nach praktischen Endgeräten, die bedienerfreundlich, gar feuerwehrtauglich sind. Schlussendlich sorgen sie für eine hohe Akzeptanz und machen die Vorteile, die die digitale Transformation mit sich bringt, erst nutzbar. So wird das neue Tablet als Endgerät für den Feldeinsatz bei der Feuerwehr, etwa auch in Ex-Bereichen, geeignet sein. Barcode-Scanner wiederum helfen, zusätzliche Wege zur Feststation zu vermeiden. Vergesst den Menschen nicht! – das war die wiederholte Forderung während des Workshops. Wird Erleichterung erkennbar, erlebbar, ist Bedienung intuitiv und nicht nur antrainiert, geht es bei der Weiterentwicklung der Prozesse nicht nur um die Neuerungen, sondern um den wirklichen Nutzen, wird die Akzeptanz von allein kommen; auch Altersunterschiede sind dann nicht mehr wichtig.

Am Ende der Überlegungen steht aus heutiger Sicht die Nutzung der Entwicklungen auch für die Fernunterstützung von Sachkundigen, etwa bei der Wartung einer Löschanlage oder bei der Kopplung zwischen Hersteller und Anwender. Hierzu könnten Kameraübertragungen, Videoanrufe oder Augmented Reality (AR) Anwendungen auch im Ex-Bereich über intelligente Geräte genutzt werden. Entsprechende Ausstattungen wie Headsets etc. sorgen dabei für freie Hände zur ungehinderten Durchführung der Aufgaben. Die Echtzeitanalysen von Daten würden sofort den Erfolg der Wartung anzeigen. Diese Möglichkeit – in Verbindung mit einer vorausschauenden Wartung in Betrieb befindlicher Bauteile – garantiert eine optimale Planung der Arbeitsabläufe und die schnelle Behebung von Problemquellen. Fernwartung wird also vielleicht die Antwort sein auf Personallücken vor Ort, die durch den bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangel entstehen. Techniker im Feld hätten jederzeit Zugang zu allen notwendigen Informationen und Experten könnten ortsunabhängig bei speziellen Problemstellungen oder Fragen unterstützen. Steigt man einmal ein in Überlegungen dieser Art, entstehen Feuer und Dynamik, ein Gedanke führt zum anderen. Feuer und Dynamik: beides keine Anzeichen von Müdigkeit, oder?

Die Pandemie wird uns erkennbar noch weiter bestimmen. Wie das Leben nach dem Krisenzustand sein wird, entzieht sich noch dem Blick. Vielleicht sollten wir bedenken und erhalten, was wir gerade in erzwungener Muße an Bewusstsein wieder gefunden haben? Ich werde nicht müde, Diskussion und Netzwerk, ein Miteinander zu bemühen – also auf ein Neues!

 

Ihr Raimund Bücher

(Engelbert Schinkel)


Raimund BücherDie Editorin der Zeitschrift GIT betrachtete in Ausgabe 8/2019 die Frage nach der Perspektive in einem Artikel, der mich zu folgenden Überlegungen brachte, die nun wirklich auch zu aktuellen Geschehnissen in der Feuerwehrwelt passen:

Wahrnehmung ist ein Prozess, der schon im Kindesalter sehr differenziert erlernt wird. Das Kleinkind folgt bereits Veränderungen, etwa wenn Mutter und Vater sich nähern. Die Möhren schmecken gut, Spinat gehört nicht zu den Lieblingsspeisen. Wenn abends zum Feierabend Eltern erwartet werden, ruft der Schlüssel in der Haustür schon Freude im Gesichtsausdruck hervor. Neben dem tastenden Begreifen, dem Erlernen durch Riechen und Schmecken, lernt das Kind schon in jungen Jahren mit allen Gefühlen umzugehen, die Umwelt wahrzunehmen und einzuschätzen. Häufig heißt es dann „Kinder leben in ihrer eigenen Welt“. Das ist ganz schön hochnäsig aus Sicht der Erwachsenen, denn, gilt das nicht auch noch bei Erwachsenen?

Wahrnehmung ist der Prozess und das Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und dem Körperinnern des Lebewesens“ (Wikipedia).  Werden also alle Umwelteinflüsse berücksichtigt, dann wird klar, dass jeder Entwicklungsstatus zu unterschiedlicher Verarbeitung führt. Aktuelle, insbesondere politische Entwicklungen, zeigen jedoch, dass Erfahrung nicht rein ein Lernprozess kindlicher Entwicklung sein kann. Dazu formulierte Immanuel Kant: „Erfahrung ist eine verstandene Wahrnehmung.“ Der erste Schritt liegt also in der Wahrnehmung – diese muss verstanden werden, um Erfahrung zu erleben.

Ein großer Stolperstein ist die Differenz der Realitäten. Der Eine nimmt etwas auf seine Art wahr, der Nächste schon wieder völlig anders. Und doch glauben beide, dass die ihrige Version die Richtige sei. Sie sehen keine Differenz zwischen subjektiver Wahrnehmung und Realität. Im Gegenteil – ihre Art der Wahrnehmung bestimmt in der Folge auch ihre Verhaltensweisen. Ihre Wahrnehmung entspricht ihrem Wissen, sie setzen beides gleich!

Von großer Bedeutung und mitunter von schlimmem Ausmaß ist es, wenn Menschen, deren Wahrnehmung deutlich von der Allgemeinheit abweicht, eine entscheidende Machtposition innehaben, in der sie ihre Führungsgewalt ihrer Wahrnehmung entsprechend ausführen. Sie glauben, ihr Handeln sei absolut. Sie drängen ihre Sicht der Dinge nicht nur ihrer direkten Umgebung auf, nein, sie drängen sie in der Politik gar ganzen Ländern und Kontinenten, wenn nicht dem Weltgeschehen auf. Wenn sie in ihrer unreflektierten Wahrnehmung dabei auf immer größeren Widerstand stoßen, liegt es an der Wahrnehmung der anderen, nicht aber an der eigenen. Besonders schlimm wird es und zu großem Schaden für alle Beteiligten, wenn alles in den Medien ausgefochten wird.

Letztlich liegt der Kern vieler Entwicklungen dann doch in der Tatsache, derer wir „Kinder“ beschuldigen: Jeder lebt in seiner eigenen Welt.

Am Ende des Jahres will ich Ihnen mit dieser Erkenntnis nicht den einen Rückblick, sondern die Rückschau aus meiner Wahrnehmung heraus bieten. Ich hoffe, dass diese Ausführungen weitestgehend unseren unterschiedlichen Realitäten entsprechen, wenn ich mir auch bewusst bin, dass wir in einer eigenen Welt agieren.


Symposien und Messen

Ob unsere Symposien in Berlin anfangs des Jahres oder in Bad Dürkheim im Herbst, ob unsere Messeauftritte zur Rettmobil, zur Florian, zur Feuertrutz oder jetzt gegen Ende des Jahres zur A+A – immer waren es Einzelnen, die die Dinge vorangetrieben haben. Wenn auch der grundsätzliche Auftritt gemeinsam festgelegt wurde, so bleibt es das Engagement, der Ideenreichtum und der Biss des Einzelnen, die den Erfolg ausmachen. Jedem, der so unterwegs war, ein herzliches Dankeschön. Der Einzelne wirkt aber auf Dauer nicht, wenn er nicht im Netzwerk gebettet ist. So danke ich allen, die sich im Team eingesetzt haben – das macht unseren Erfolg aus.

An den Symposien mache ich es fest. Drei Viertel der Teilnehmer haben uns Rückmeldungen gegeben – danke dafür. Wenn 100% der Bewertenden testieren, dass ihre Erwartungen gut/sehr gut erfüllt wurden, die Durchführung in Vorträgen und die Organisation zu 98% das gleiche Ergebnis bekommen, kann nicht viel falsch gelaufen sein. Im obigen Sinne haben wir es wohl wirklich geschafft, gemeinsame Realitäten zu schaffen. Wir erhielten Bestätigung und deshalb ist es logisch, den Weg weiterzugehen. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 16. und 17. Januar 2020 in Berlin. Melden Sie sich an!

Auch in Düsseldorf, anlässlich der A+A, lässt sich Gleiches zusammenfassen. In bewährter Weise kombinierte der WFV NRW bei seinem Auftritt die praktische Übung – Auszubildende im Berufsbild Werkfeuerwehrmann /-frau kamen zu ihrem ersten Einsatz – mit den Präsentationen und Inhalten zu aktuellen Themen von „Freimessen“ über „Löschwasserrückhaltung“ bis hin zu „4.0“ und angewandter Digitalisierung in betrieblicher Brandschutzausbildung. Daneben bedienten wir die Klientel mit Vorträgen im Forum zu Notfall- und Krisenmanagement oder brachten mit unseren Arbeitskreisvertretern unsere Kompetenzen im Atemschutz beim neu geschaffenen Atemschutzworkshop ein. Alles in allem ein gelungener Auftritt – danke den Mitwirkenden. Es geht eben doch am besten im Team.

Eine Besonderheit ist aus diesem Jahr zu berichten: Die stete Bemühung um Kooperation mit dem Arbeitsschutz, die Bearbeitung manchen Themas aus der Schnittmenge Brandschutz/Arbeitsschutz und unser steter Auftritt als Experten des betrieblichen Brandschutzes  führten dazu, dass am ersten Tag der Düsseldorfer Messe 150 Sicherheitsbeauftragte von Verkehrsbetrieben und Stadtwerken den halben Kongress- und Messetag an unserem Stand verbrachten. Sie wollten ganz explizit unsere Erfahrung und unsere Informationen zu den o.a. Themen austauschen. Wenn man ein wenig die Perspektive ändert, tun sich schon neue Möglichkeiten auf. Ich danke allen, die für diese spezielle Gruppe extra als Ansprechpartner zur Verfügung standen. So funktioniert Netzwerk – vielen Dank.

Löschspraydosen

Ganz im Sinne – „Der lebt aber auch nur in seiner eigenen Welt“ kommen die Rückmeldungen zur WFVInfo oder im Symposium: Hat der kein anderes Thema mehr? Zur Erinnerung: Aus dem gemeinsamem  Auftritt von WFVD, DFV und vfdb beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales erzielten wir Anfang des Jahres einen Kompromiss. Da waren zuvor wirklich verschiedene Wahrnehmungen zu bündeln, und so kostete es einige Mühe, zum beschriebenen Ergebnis zu kommen. Der Sachverhalt ist hinreichend bekannt. Jeder Interessierte weiß, dass es am Ende nächsten Jahres die europäische Norm geben soll und dass dann die Zusage des Ministeriums, die Arbeit an der ASR A2.2 wieder aufzunehmen, Wirkung findet. Dann sollen die Löschspraydosen auch für die Grundausstattung der Arbeitsstätten mit Feuerlöschgeräten herangezogen werden können.

Die Kommunikation nach dem Kompromiss in diesem Jahr ist nun wirklich ein Beispiel von verzerrter Wahrnehmung. Was hilft es, neu auf das Thema zu klopfen, wenn doch der Kompromiss schon da ist? Was hilft es, Forderungen zu wiederholen, wenn doch die Argumente ausgetauscht sind und alle Beteiligten sich auf die Realitäten des jeweilig anderen eingelassen haben? Ich finde auch am Ende des Jahres noch keine Gründe dafür, und stelle mit vielen anderen fest: Da lebt wohl jemand in seiner eigenen Welt.

Ich aber will nach vorne schauen und garantiere: Ich streite mit, wenn die Norm da ist und wir werden als Experten im Arbeitskreis gefordert sein. Bis dahin aber werbe ich für Ruhe und gegenseitigen Respekt.

In der Rückschau ein Thema, das im ganzen Jahr aktuell war.


4.0 – die Digitalisierung

Wie angekündigt, veranstaltete der WFVD am 4. Dezember einen Workshop zum Thema „Industrie 4.0/Digitalisierung in der Industrie – Netzwerk für eine erfolgreiche Umsetzung“. Moderiert von Werner Heitmann (Dräger) begann der Workshop mit illustrem Teilnehmerkreis nach Verlesen der Anti-Kartellvereinbarung mit drei Impulsvorträgen. Während Stefan Truthän (hhp) die Zukunft der Sicherheitsarchitektur aufzeigte und dafür warb, den Blickwinkel (Mindset) zu wenden, rüttelte Patrick Reschke (Northdocks) in bekannter Manier an alt hergebrachten Prozessen: „Die Wertschöpfungskette wird digital…“. Manche der vorhandenen Hierarchien lassen Digitalisierung im Eigentlichen nicht zu, sie bräuchten deshalb eine Änderung.

Ich selbst habe versucht, erkennbare Bedarfe der Industrie aufzuzeigen; dies beginnend mit der Diskussion Anfang 2019 bei der Fachtagung in Berlin (Zentrale Frage: Warum nutzen wir nicht das Netzwerk und machen alle Arbeiten vielfach zugänglich?) anhand konkreter Beispiele: Wenn der Anwender ein Projekt verfolgt und Hilfe von IT-Produzenten benötigt, führt der Weg zwangsläufig zum Netzwerk. Jeder sucht für sich und rein zufällig findet man entsprechende Lieferanten. Wo ist der Überblick und wo ist das gemeinsame Ringen um bestmögliche Lösung?

Ein Puls Check verdeutlichte, wie unterschiedlich die Umsetzung der Digitalisierung in den Unternehmen ist. Was ist 4.0 für den Einzelnen? Der Workshop forderte auf, die Perspektive zu wechseln: Wie geht es zum Netzwerk 4.0? Vorgedachte Fragen führten in Gruppenarbeit zu folgendem Ergebnis:

1. Auf einer gemeinsamen Plattform werden Lösungen in verschiedenen Themen gesammelt.

2. Konzernübergreifende Zusammenarbeit bleibt das erklärte Ziel, der Wandel der „Kultur“ die größte Fragestellung.

3. Im Themenbereich Ausbildung wird die Arbeit mit konkretem Pilotthema fortgesetzt.

4. Der Workshop erfährt eine Fortsetzung mit einem nächsten Termin im Februar 2020 in Ludwigshafen.

Wir bleiben dran!


Ihnen und Ihren Lieben besinnliche Weihnachten und in 2020 alles erdenklich Gute

Ihr Raimund Bücher