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Wer die Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem ganz anderen Licht

(Engelbert Schinkel)


Raimund BücherDie Editorin der Zeitschrift GIT betrachtete in Ausgabe 8/2019 die Frage nach der Perspektive in einem Artikel, der mich zu folgenden Überlegungen brachte, die nun wirklich auch zu aktuellen Geschehnissen in der Feuerwehrwelt passen:

Wahrnehmung ist ein Prozess, der schon im Kindesalter sehr differenziert erlernt wird. Das Kleinkind folgt bereits Veränderungen, etwa wenn Mutter und Vater sich nähern. Die Möhren schmecken gut, Spinat gehört nicht zu den Lieblingsspeisen. Wenn abends zum Feierabend Eltern erwartet werden, ruft der Schlüssel in der Haustür schon Freude im Gesichtsausdruck hervor. Neben dem tastenden Begreifen, dem Erlernen durch Riechen und Schmecken, lernt das Kind schon in jungen Jahren mit allen Gefühlen umzugehen, die Umwelt wahrzunehmen und einzuschätzen. Häufig heißt es dann „Kinder leben in ihrer eigenen Welt“. Das ist ganz schön hochnäsig aus Sicht der Erwachsenen, denn, gilt das nicht auch noch bei Erwachsenen?

Wahrnehmung ist der Prozess und das Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und dem Körperinnern des Lebewesens“ (Wikipedia).  Werden also alle Umwelteinflüsse berücksichtigt, dann wird klar, dass jeder Entwicklungsstatus zu unterschiedlicher Verarbeitung führt. Aktuelle, insbesondere politische Entwicklungen, zeigen jedoch, dass Erfahrung nicht rein ein Lernprozess kindlicher Entwicklung sein kann. Dazu formulierte Immanuel Kant: „Erfahrung ist eine verstandene Wahrnehmung.“ Der erste Schritt liegt also in der Wahrnehmung – diese muss verstanden werden, um Erfahrung zu erleben.

Ein großer Stolperstein ist die Differenz der Realitäten. Der Eine nimmt etwas auf seine Art wahr, der Nächste schon wieder völlig anders. Und doch glauben beide, dass die ihrige Version die Richtige sei. Sie sehen keine Differenz zwischen subjektiver Wahrnehmung und Realität. Im Gegenteil – ihre Art der Wahrnehmung bestimmt in der Folge auch ihre Verhaltensweisen. Ihre Wahrnehmung entspricht ihrem Wissen, sie setzen beides gleich!

Von großer Bedeutung und mitunter von schlimmem Ausmaß ist es, wenn Menschen, deren Wahrnehmung deutlich von der Allgemeinheit abweicht, eine entscheidende Machtposition innehaben, in der sie ihre Führungsgewalt ihrer Wahrnehmung entsprechend ausführen. Sie glauben, ihr Handeln sei absolut. Sie drängen ihre Sicht der Dinge nicht nur ihrer direkten Umgebung auf, nein, sie drängen sie in der Politik gar ganzen Ländern und Kontinenten, wenn nicht dem Weltgeschehen auf. Wenn sie in ihrer unreflektierten Wahrnehmung dabei auf immer größeren Widerstand stoßen, liegt es an der Wahrnehmung der anderen, nicht aber an der eigenen. Besonders schlimm wird es und zu großem Schaden für alle Beteiligten, wenn alles in den Medien ausgefochten wird.

Letztlich liegt der Kern vieler Entwicklungen dann doch in der Tatsache, derer wir „Kinder“ beschuldigen: Jeder lebt in seiner eigenen Welt.

Am Ende des Jahres will ich Ihnen mit dieser Erkenntnis nicht den einen Rückblick, sondern die Rückschau aus meiner Wahrnehmung heraus bieten. Ich hoffe, dass diese Ausführungen weitestgehend unseren unterschiedlichen Realitäten entsprechen, wenn ich mir auch bewusst bin, dass wir in einer eigenen Welt agieren.


Symposien und Messen

Ob unsere Symposien in Berlin anfangs des Jahres oder in Bad Dürkheim im Herbst, ob unsere Messeauftritte zur Rettmobil, zur Florian, zur Feuertrutz oder jetzt gegen Ende des Jahres zur A+A – immer waren es Einzelnen, die die Dinge vorangetrieben haben. Wenn auch der grundsätzliche Auftritt gemeinsam festgelegt wurde, so bleibt es das Engagement, der Ideenreichtum und der Biss des Einzelnen, die den Erfolg ausmachen. Jedem, der so unterwegs war, ein herzliches Dankeschön. Der Einzelne wirkt aber auf Dauer nicht, wenn er nicht im Netzwerk gebettet ist. So danke ich allen, die sich im Team eingesetzt haben – das macht unseren Erfolg aus.

An den Symposien mache ich es fest. Drei Viertel der Teilnehmer haben uns Rückmeldungen gegeben – danke dafür. Wenn 100% der Bewertenden testieren, dass ihre Erwartungen gut/sehr gut erfüllt wurden, die Durchführung in Vorträgen und die Organisation zu 98% das gleiche Ergebnis bekommen, kann nicht viel falsch gelaufen sein. Im obigen Sinne haben wir es wohl wirklich geschafft, gemeinsame Realitäten zu schaffen. Wir erhielten Bestätigung und deshalb ist es logisch, den Weg weiterzugehen. Die nächste Gelegenheit ergibt sich am 16. und 17. Januar 2020 in Berlin. Melden Sie sich an!

Auch in Düsseldorf, anlässlich der A+A, lässt sich Gleiches zusammenfassen. In bewährter Weise kombinierte der WFV NRW bei seinem Auftritt die praktische Übung – Auszubildende im Berufsbild Werkfeuerwehrmann /-frau kamen zu ihrem ersten Einsatz – mit den Präsentationen und Inhalten zu aktuellen Themen von „Freimessen“ über „Löschwasserrückhaltung“ bis hin zu „4.0“ und angewandter Digitalisierung in betrieblicher Brandschutzausbildung. Daneben bedienten wir die Klientel mit Vorträgen im Forum zu Notfall- und Krisenmanagement oder brachten mit unseren Arbeitskreisvertretern unsere Kompetenzen im Atemschutz beim neu geschaffenen Atemschutzworkshop ein. Alles in allem ein gelungener Auftritt – danke den Mitwirkenden. Es geht eben doch am besten im Team.

Eine Besonderheit ist aus diesem Jahr zu berichten: Die stete Bemühung um Kooperation mit dem Arbeitsschutz, die Bearbeitung manchen Themas aus der Schnittmenge Brandschutz/Arbeitsschutz und unser steter Auftritt als Experten des betrieblichen Brandschutzes  führten dazu, dass am ersten Tag der Düsseldorfer Messe 150 Sicherheitsbeauftragte von Verkehrsbetrieben und Stadtwerken den halben Kongress- und Messetag an unserem Stand verbrachten. Sie wollten ganz explizit unsere Erfahrung und unsere Informationen zu den o.a. Themen austauschen. Wenn man ein wenig die Perspektive ändert, tun sich schon neue Möglichkeiten auf. Ich danke allen, die für diese spezielle Gruppe extra als Ansprechpartner zur Verfügung standen. So funktioniert Netzwerk – vielen Dank.

Löschspraydosen

Ganz im Sinne – „Der lebt aber auch nur in seiner eigenen Welt“ kommen die Rückmeldungen zur WFVInfo oder im Symposium: Hat der kein anderes Thema mehr? Zur Erinnerung: Aus dem gemeinsamem  Auftritt von WFVD, DFV und vfdb beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales erzielten wir Anfang des Jahres einen Kompromiss. Da waren zuvor wirklich verschiedene Wahrnehmungen zu bündeln, und so kostete es einige Mühe, zum beschriebenen Ergebnis zu kommen. Der Sachverhalt ist hinreichend bekannt. Jeder Interessierte weiß, dass es am Ende nächsten Jahres die europäische Norm geben soll und dass dann die Zusage des Ministeriums, die Arbeit an der ASR A2.2 wieder aufzunehmen, Wirkung findet. Dann sollen die Löschspraydosen auch für die Grundausstattung der Arbeitsstätten mit Feuerlöschgeräten herangezogen werden können.

Die Kommunikation nach dem Kompromiss in diesem Jahr ist nun wirklich ein Beispiel von verzerrter Wahrnehmung. Was hilft es, neu auf das Thema zu klopfen, wenn doch der Kompromiss schon da ist? Was hilft es, Forderungen zu wiederholen, wenn doch die Argumente ausgetauscht sind und alle Beteiligten sich auf die Realitäten des jeweilig anderen eingelassen haben? Ich finde auch am Ende des Jahres noch keine Gründe dafür, und stelle mit vielen anderen fest: Da lebt wohl jemand in seiner eigenen Welt.

Ich aber will nach vorne schauen und garantiere: Ich streite mit, wenn die Norm da ist und wir werden als Experten im Arbeitskreis gefordert sein. Bis dahin aber werbe ich für Ruhe und gegenseitigen Respekt.

In der Rückschau ein Thema, das im ganzen Jahr aktuell war.


4.0 – die Digitalisierung

Wie angekündigt, veranstaltete der WFVD am 4. Dezember einen Workshop zum Thema „Industrie 4.0/Digitalisierung in der Industrie – Netzwerk für eine erfolgreiche Umsetzung“. Moderiert von Werner Heitmann (Dräger) begann der Workshop mit illustrem Teilnehmerkreis nach Verlesen der Anti-Kartellvereinbarung mit drei Impulsvorträgen. Während Stefan Truthän (hhp) die Zukunft der Sicherheitsarchitektur aufzeigte und dafür warb, den Blickwinkel (Mindset) zu wenden, rüttelte Patrick Reschke (Northdocks) in bekannter Manier an alt hergebrachten Prozessen: „Die Wertschöpfungskette wird digital…“. Manche der vorhandenen Hierarchien lassen Digitalisierung im Eigentlichen nicht zu, sie bräuchten deshalb eine Änderung.

Ich selbst habe versucht, erkennbare Bedarfe der Industrie aufzuzeigen; dies beginnend mit der Diskussion Anfang 2019 bei der Fachtagung in Berlin (Zentrale Frage: Warum nutzen wir nicht das Netzwerk und machen alle Arbeiten vielfach zugänglich?) anhand konkreter Beispiele: Wenn der Anwender ein Projekt verfolgt und Hilfe von IT-Produzenten benötigt, führt der Weg zwangsläufig zum Netzwerk. Jeder sucht für sich und rein zufällig findet man entsprechende Lieferanten. Wo ist der Überblick und wo ist das gemeinsame Ringen um bestmögliche Lösung?

Ein Puls Check verdeutlichte, wie unterschiedlich die Umsetzung der Digitalisierung in den Unternehmen ist. Was ist 4.0 für den Einzelnen? Der Workshop forderte auf, die Perspektive zu wechseln: Wie geht es zum Netzwerk 4.0? Vorgedachte Fragen führten in Gruppenarbeit zu folgendem Ergebnis:

1. Auf einer gemeinsamen Plattform werden Lösungen in verschiedenen Themen gesammelt.

2. Konzernübergreifende Zusammenarbeit bleibt das erklärte Ziel, der Wandel der „Kultur“ die größte Fragestellung.

3. Im Themenbereich Ausbildung wird die Arbeit mit konkretem Pilotthema fortgesetzt.

4. Der Workshop erfährt eine Fortsetzung mit einem nächsten Termin im Februar 2020 in Ludwigshafen.

Wir bleiben dran!


Ihnen und Ihren Lieben besinnliche Weihnachten und in 2020 alles erdenklich Gute

Ihr Raimund Bücher