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Gefährdungsbeurteilung zur ASR A2.2, Maßnahmen gegen Brände

 

Deutsche Post DHL (DPDHL) legt großen Wert auf sichere Arbeitsplätze. Das

Arbeitsschutzgesetz steht dabei im Vordergrund. Der Konzern trifft für seine

Arbeitsstätten die grundsätzlichen Maßnahmen, die zur Brandbekämpfung

erforderlich sind. So benennt er als Arbeitgeber Beschäftigte, die Aufgaben der

Brandbekämpfung übernehmen. Anzahl, Ausbildung und Ausrüstung dieser

Personen stehen in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der

Beschäftigten und zu den bestehenden Gefahren.

 

Bis Ende Dezember 2012 konnte sich DPDHL, wie andere Arbeitgeber auch, an der

Arbeitsstättenrichtlinie „Feuerlöscheinrichtungen“ (kurz: ASR 13/1,2) und an der

Berufsgenossenschaftlichen Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (BGRegel)

BGR 133, Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern, orientieren. Sie

sind inzwischen ausgelaufen bzw. wurden ersetzt.

 

Am 01.01.2013 trat die Technische Regel für Arbeitsstätten „Maßnahmen gegen

Brände“ (kurz: ASR A2.2) in Kraft. Sie stellt eine Detaillierung der bisherigen

Arbeitsstättenrichtlinie dar und konkretisiert deren Inhalte, sowohl für die Ausstattung

von Arbeitsstätten mit mobilen Löschgeräten wie für die Brandmelde- und

Alarmierungseinrichtungen. Ebenso wurden die Anzahl der notwendigen

Löschmitteleinheiten (abhängig von Brandklassen und -gefährdungen sowie der

Grundfläche), Art und Umfang der Mitarbeiterunterweisungen sowie Prüf- und

Wartungspflichten in diesem Regelwerk integriert.

 

 

Anwendungsbereich der ASR A2.2, Maßnahmen gegen Brände

Sie gilt für das Ausstatten und Betreiben von Arbeitsstätten mit

Feuerlöscheinrichtungen sowie für weitere Maßnahmen zur Erkennung von

Entstehungsbränden und zur Alarmierung im Gefahrenfall.

 

Bei Deutsche Post DHL wurde im Sinne des ArbSchG eine Gefährdungsbeurteilung

erstellt, die für alle ihre Arbeitsstätten in Deutschland gilt. Es wird empfohlen, sie

auch auf Arbeitsstätten der inländischen Post-Tochterunternehmen anzuwenden,

sofern diese nicht selbst eine eigene Gefährdungsbeurteilung ihrer Arbeitsstätten

durchführen.

 

 

Begriffsbestimmungen der ASR A2.2

 

Normale Brandgefährdung liegt vor, wenn die Wahrscheinlichkeit einer

Brandentstehung, die Geschwindigkeit der Brandausbreitung, die dabei

freiwerdenden Stoffe und die damit verbundene Gefährdung für Personen, Umwelt

und Sachwerte vergleichbar sind mit einer Büronutzung.

Entstehungsbrände im Sinne dieser Regel sind Brände mit so geringer Rauch- und

Wärmeentwicklung, dass noch eine gefahrlose Annäherung von Personen bei freier

Sicht auf den Brandherd möglich ist.

 

 

Auswirkungen bei Deutsche Post DHL

 

Die Neuerungen der ASR A2.2 in Bezug auf die künftig nur noch zwei möglichen

Brandgefährdungen (normale und erhöhte Brandgefährdung) stellen für die

Arbeitsstätten des Arbeitgebers keine Veränderungen dar. Es werden lediglich die

bisher als gering eingestuften Brandgefahren künftig als normale Brandgefahren

deklariert. An der Anzahl der nach ASR notwendigen Löschmitteleinheiten, in

Abhängigkeit von der Grundfläche der Arbeitsstätte, ändert sich nichts. Der

Sicherheitsstandard der Arbeitsstätten bleibt bestehen. Gehen aus aktuell

vorliegenden behördlichen Auflagen oder einem neuen Brandschutzkonzept für

Betriebsbereiche erhöhte Brandgefahren (zuvor mittlere und hohe Brandgefahren)

hervor, sind die erforderlichen Maßnahmen, in Abstimmung mit dem zuständigen

Brandschutzberater1), festzulegen.

 

 

Grundausstattung einer Arbeitsstätte mit Feuerlöschern nach ASR A2.2

 

Die für normale Brandgefährdung erforderliche Anzahl an Löschmitteleinheiten wird

in Abhängigkeit von der Fläche der Arbeitsstätte aus der Tabelle 3, entnommen. Die

entsprechende Art, Anzahl und Größe der Feuerlöscher, entsprechend ihres

Löschvermögens, wird aus Tabelle 2 entnommen.

Eine der größten Änderungen zur ASR 13/1,2 und BGR 133 ist, dass für die

Grundausstattung einer Arbeitsstätte nur Feuerlöscher angerechnet werden dürfen,

die jeweils über mindestens 6 Löschmitteleinheiten (LE) verfügen.

 

 

Gefährdungsbeurteilung der Deutschen Post DHL

 

Die Forderung der ASR A2.2 würde ggf. zunächst einmal den großflächigen

Austausch von funktionsfähigen Feuerlöschern bedeuten. Die Aussage zur

Grundausstattung und die abweichende Betrachtung durch die vorliegende

Gefährdungsbeurteilung bedingen eine ausführliche Bestandsaufnahme aller

eingesetzten Feuerlöscher nach Art und Löschvermögen.

 

Nach ASR A2.2, Abschnitt 3.4, sind Entstehungsbrände „Brände mit so geringer

Rauch- und Wärmeentwicklung, dass noch eine gefahrlose Annäherung von

Personen bei freier Sicht auf den Brandherd zur Einleitung von

Brandbekämpfungsmaßnahmen möglich ist.“ Diese Definition entspricht den bisher

geltenden Regelwerken.

 

Es hat sich gezeigt, dass ein typischer Entstehungsbrand (z.B. ein Papierkorb, in den

eine glimmende Zigarette geworfen wurde) einen unterschiedlichen Einfluss auf die

Umgebung hat, je nach dem, wo dieser positioniert ist. So ist die Brandauswirkung

eines brennenden Papierkorbs in einem 20 m2 großen Büroraum als potentiell

gefährlicher anzusehen, als ein solcher Brand in einer Halle mit einer Fläche von

1.000 m2 und einer Deckenhöhe von über 5 m. Rauch- und Wärmeentwicklung sowie

die Brandausbreitungsgeschwindigkeit bestimmen die Risiken eines

Entstehungsbrandes. Bei einem geringeren Raumvolumen sind die Auswirkungen

eines Entstehungsbrandes stärker zu spüren als in einer ausgedehnten, hohen Halle.

 

Die nach ASR A2.2 nun vorzusehende maximale Laufweglänge von 20 m bis zu

einem tragbaren Feuerlöscher beeinflusst positiv die Verfügbarkeit der Geräte.

Die jetzt vorgegebene Mindestmenge an Löschmitteleinheiten (LE) bewirkt jedoch

keine erkennbaren Vorteile, mindestens bei Bränden in kleinzelligen

Nutzungseinheiten. Im Vergleich mit einem Löschgerät mit > 6 LE ist es aus

brandschutztechnischer Sicht vorteilhafter, mehrere „kleinere“ Feuerlöscher mit z.B.

2 LE strategisch in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz zu positionieren. Ein

schwerer Feuerlöscher muss erst aus bis zu 20 m Entfernung herbeigeschafft und

ausgelöst werden. Dabei läuft der Anwender Gefahr, dass in dieser Zeit der

Entstehungsbrand bereits nicht mehr ohne Eigengefährdung bekämpft werden kann.

Die Rauch- und Wärmeentwicklung in dem oben beispielhaft genannten Szenario

eines Papierkorbbrandes in einem Büro kann in der Zeitspanne, bis der Feuerlöscher

einsetzbar ist, soweit fortgeschritten sein, dass eine gefahrlose Brandbekämpfung

durch Laien nicht mehr möglich ist.

 

Die für die Brandbekämpfung eingesetzten Laien verfügen nicht über eine geeignete

Schutzausrüstung. Ebenso sollen sie alles tun, um sich nicht selbst zu gefährden.

Gerade der sich schnell ausbreitende Brandrauch wird in seinem

Gefährdungspotenzial immer wieder unterschätzt. Demzufolge ist auch ein kleines,

aber sehr schnell verfügbares Löschgerät das einen Brand der von einem Laien noch

bekämpft werden kann völlig ausreichend.

 

 

Umsetzung bei Deutsche Post DHL

 

Die Arbeitsstätten bei Deutsche Post DHL werden auf Grundlage der

Gefährdungsbeurteilung künftig wie folgt mit Feuerlöschern ausgestattet:

 

1. In Büro- und Verwaltungsräumen und anderen Räumen/Bereichen/Nutzungen

bis zu ca. 3,5 m Deckenhöhe mit normaler Brandgefährdung können

im Bestand die vorhandenen Feuerlöscher verbleiben, auch wenn sie weniger

als 6 LE haben.

Bei neuen Arbeitsstätten und bei Ergänzungen sind Feuerlöscher mit

weniger als 6 LE einzusetzen. Hier können auch Feuerlöschspraydosen

(andere Löschgeräte gemäß ASR A2.2) eingesetzt werden, wenn diese über

das GS-Zeichen und ein von einer dafür zugelassenen MPA geprüftes

Löschvermögen von mindestens 5 A bzw. 1 LE nach DIN EN 3 verfügen.

Sie sind so anzuordnen, dass sie von jedem Arbeitsplatz aus in möglichst

kurzen Abständen zu erreichen sind.

 

2. In Räumen/Bereichen/Nutzungen mit mehr als 3,5 m Deckenhöhe, wie z.B. in

den Betriebsbereichen der Brief- und Paketzentren oder

Räumen/Bereichen/Nutzungen mit erhöhter Brandgefährdung können

im Bestand die vorhandenen Feuerlöscher (auch mit weniger als 6 LE)

verbleiben, sofern die Gesamtzahl der notwendigen Löschmitteleinheiten

erreicht wird. Wenn in diesen Räumen/ Bereichen/Nutzungen Feuerlöscher

ersetzt oder ergänzt werden, sind solche mit mindestens 6 LE zu verwenden.

 

In neuen Arbeitsstätten ist die Mindestlöschmitteleinheit je Feuerlöscher von

6 LE umzusetzen. Hier kann ein Entstehungsbrand auf Grund der räumlichen

Ausdehnung der Betriebsbereiche in der Regel länger und gefahrloser

bekämpft werden, da die Rauch- und Wärmeentwicklung ein Annähern an den

Brandherd noch über einen längeren Zeitraum ermöglicht.

Durch die gegenüber der ASR A2.2 abweichende Ausstattung wird nach dieser

Gefährdungsbeurteilung das Sicherheitsniveau sogar verbessert. Die Eingreifzeiten

zur Entstehungsbrandbekämpfung und die Gefährdung der Beschäftigten werden

wesentlich verringert.

 

 

Entfernung zum nächstgelegenen Feuerlöscher und deren Standorte gem. ASR

 

Die Einführung einer maximalen Laufweglänge ermöglicht eine verbesserte

Aufteilung der Löschmittelkapazitäten. Die Arbeitsstätten bei DPDHL werden von den

Brandschutzbeauftragten diesbezüglich überprüft. Werden hierbei größere

Abweichungen festgestellt, sind die Brandschutzberater des Konzerns mit heran zu

ziehen. Grundsätzlich wird das Sicherheitsniveau jedoch durch die vorgegebene

maximale Laufweglänge verbessert.

 

Zur Gewährleistung einer problemlosen Verwendbarkeit sind in den Arbeitsstätten

die vorhandenen Feuerlöscher-Standorte zu überprüfen. Sollten Feuerlöscher mit

einer Griffhöhe über 1,2 m angebracht sein, ist die Montagehöhe herabzusetzen.

Andere Feuerlöschgeräte mit einem von einer dafür zugelassenen MPA geprüften

Löschvermögen von mindestens 5A bzw. 1 LE nach DIN EN 3, wie z. B.

Feuerlöschspraydosen mit weniger als 2 kg Gewicht, können auch mit einer höheren

Griffhöhe angebracht werden.

 

 

Wartung und Prüfung

 

In der ASR 13/1,2 wurden keine Aussagen zu Wartungsfristen von Feuerlöschern

gemacht. Die BGR 133 sah vor, Feuerlöscher in Abständen von höchstens zwei

Jahren zu warten.

 

Die ASR A2.2 empfiehlt nun, dass Feuerlöscher zur Sicherstellung der

Funktionsfähigkeit mindestens alle zwei Jahre zu prüfen sind. Weiterhin ist durch z.B.

Anbringen einer Plakette auf der Feuerlöscheinrichtung kenntlich zu machen, wenn

bei der Wartung keine Mängel festgestellt wurden.

 

Derzeit werden am Markt Feuerlöscher angeboten, welche seitens des Herstellers

eine Wartungsfreiheit von z. B. 4 bis 6 Jahren besitzen. Solche Feuerlöscher

brauchen, wenn keine anderen möglicherweise schädigenden Einflüsse vorliegen

(z.B. erhöhte Staubbelastung, mechanische Beschädigungen etc.) auch nur in den

vom Hersteller vorgegebenen Fristen gewartet zu werden.

 

Zur Minimierung der Wartungskosten wird Deutsche Post DHL künftig die

Arbeitsstätten mit Feuerlöschern ausstatten, für die vom Hersteller möglichst lange

Wartungsintervalle vorgegeben sind. Für bereits vorhandene Feuerlöscher sind die

vom Hersteller festgelegten Wartungsintervalle einzuhalten.

 

Werden bei den Wartungen keine Mängel festgestellt, sind z.B. Plaketten zur

offensichtlichen Kenzeichnung anzubringen. Bei Mängeln hat der Arbeitgeber

unverzüglich einen Austausch oder eine Reparatur der Feuerlöscheinrichtung

durchführen zu lassen. Eine Plakette darf in diesem Fall nicht angebracht werden.

 

 

Schlussbemerkung

 

Wird für eine Arbeitsstätte keine Gefährdungsbeurteilung erstellt und sie der ASR

A2.2 folgend mit Feuerlöschern ausgestattet, sind die Beschäftigten in einem

Brandfall häufig höheren Gefahren ausgesetzt als notwendig und zulässig. Wir

haben mit unserer Gefährdungsbeurteilung Schutzziele für unsere Beschäftigten

festgelegt, die höher sind als die, die wir mit der ASR A2.2 erreicht hätten.

 

 

1) Bei Deutsche Post DHL sind in Deutschland 6 Brandschutzberater eingesetzt, die unmittelbar dem

Riskmanagement unterstellt sind. Sie sind die fachlich zuständigen Ansprechpartner für ca. 160

Brandschutzbeauftragte des Konzerns.