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Gefährdungsbeurteilung zur ASR A2.2, Maßnahmen gegen Brände


Am 01.01.2013 trat die Technische Regel für Arbeitsstätten „Maßnahmen gegen
Brände“ (kurz: ASR A2.2) in Kraft. Sie stellt eine Detaillierung der bisherigen
Arbeitsstättenrichtlinie dar und konkretisiert deren Inhalte, sowohl für die Ausstattung
von Arbeitsstätten mit mobilen Löschgeräten wie für die Brandmelde- und
Alarmierungseinrichtungen. Ebenso wurden die Anzahl der notwendigen
Löschmitteleinheiten (abhängig von Brandklassen und -gefährdungen sowie der
Grundfläche), Art und Umfang der Mitarbeiterunterweisungen sowie Prüf- und
Wartungspflichten in diesem Regelwerk integriert.


Anwendungsbereich der ASR A2.2, Maßnahmen gegen Brände
Sie gilt für das Ausstatten und Betreiben von Arbeitsstätten mit
Feuerlöscheinrichtungen sowie für weitere Maßnahmen zur Erkennung von
Entstehungsbränden und zur Alarmierung im Gefahrenfall.

Bei Deutsche Post DHL wurde im Sinne des ArbSchG eine Gefährdungsbeurteilung
erstellt, die für alle ihre Arbeitsstätten in Deutschland gilt. Es wird empfohlen, sie
auch auf Arbeitsstätten der inländischen Post-Tochterunternehmen anzuwenden,
sofern diese nicht selbst eine eigene Gefährdungsbeurteilung ihrer Arbeitsstätten
durchführen.


Begriffsbestimmungen der ASR A2.2

Normale Brandgefährdung liegt vor, wenn die Wahrscheinlichkeit einer
Brandentstehung, die Geschwindigkeit der Brandausbreitung, die dabei
freiwerdenden Stoffe und die damit verbundene Gefährdung für Personen, Umwelt
und Sachwerte vergleichbar sind mit einer Büronutzung.
Entstehungsbrände im Sinne dieser Regel sind Brände mit so geringer Rauch- und
Wärmeentwicklung, dass noch eine gefahrlose Annäherung von Personen bei freier
Sicht auf den Brandherd möglich ist.


Auswirkungen bei Deutsche Post DHL

Die Neuerungen der ASR A2.2 in Bezug auf die künftig nur noch zwei möglichen
Brandgefährdungen (normale und erhöhte Brandgefährdung) stellen für die
Arbeitsstätten des Arbeitgebers keine Veränderungen dar. Es werden lediglich die
bisher als gering eingestuften Brandgefahren künftig als normale Brandgefahren
deklariert. An der Anzahl der nach ASR notwendigen Löschmitteleinheiten, in
Abhängigkeit von der Grundfläche der Arbeitsstätte, ändert sich nichts. Der
Sicherheitsstandard der Arbeitsstätten bleibt bestehen. Gehen aus aktuell
vorliegenden behördlichen Auflagen oder einem neuen Brandschutzkonzept für
Betriebsbereiche erhöhte Brandgefahren (zuvor mittlere und hohe Brandgefahren)
hervor, sind die erforderlichen Maßnahmen, in Abstimmung mit dem zuständigen
Brandschutzberater1), festzulegen.


Grundausstattung einer Arbeitsstätte mit Feuerlöschern nach ASR A2.2

Die für normale Brandgefährdung erforderliche Anzahl an Löschmitteleinheiten wird
in Abhängigkeit von der Fläche der Arbeitsstätte aus der Tabelle 3, entnommen. Die
entsprechende Art, Anzahl und Größe der Feuerlöscher, entsprechend ihres
Löschvermögens, wird aus Tabelle 2 entnommen.
Eine der größten Änderungen zur ASR 13/1,2 und BGR 133 ist, dass für die
Grundausstattung einer Arbeitsstätte nur Feuerlöscher angerechnet werden dürfen,
die jeweils über mindestens 6 Löschmitteleinheiten (LE) verfügen.


Gefährdungsbeurteilung der Deutschen Post DHL

Die Forderung der ASR A2.2 würde ggf. zunächst einmal den großflächigen
Austausch von funktionsfähigen Feuerlöschern bedeuten. Die Aussage zur
Grundausstattung und die abweichende Betrachtung durch die vorliegende
Gefährdungsbeurteilung bedingen eine ausführliche Bestandsaufnahme aller
eingesetzten Feuerlöscher nach Art und Löschvermögen.

Nach ASR A2.2, Abschnitt 3.4, sind Entstehungsbrände „Brände mit so geringer
Rauch- und Wärmeentwicklung, dass noch eine gefahrlose Annäherung von
Personen bei freier Sicht auf den Brandherd zur Einleitung von
Brandbekämpfungsmaßnahmen möglich ist.“ Diese Definition entspricht den bisher
geltenden Regelwerken.

Es hat sich gezeigt, dass ein typischer Entstehungsbrand (z.B. ein Papierkorb, in den
eine glimmende Zigarette geworfen wurde) einen unterschiedlichen Einfluss auf die
Umgebung hat, je nach dem, wo dieser positioniert ist. So ist die Brandauswirkung
eines brennenden Papierkorbs in einem 20 m2 großen Büroraum als potentiell
gefährlicher anzusehen, als ein solcher Brand in einer Halle mit einer Fläche von
1.000 m2 und einer Deckenhöhe von über 5 m. Rauch- und Wärmeentwicklung sowie
die Brandausbreitungsgeschwindigkeit bestimmen die Risiken eines
Entstehungsbrandes. Bei einem geringeren Raumvolumen sind die Auswirkungen
eines Entstehungsbrandes stärker zu spüren als in einer ausgedehnten, hohen Halle.

Die nach ASR A2.2 nun vorzusehende maximale Laufweglänge von 20 m bis zu
einem tragbaren Feuerlöscher beeinflusst positiv die Verfügbarkeit der Geräte.
Die jetzt vorgegebene Mindestmenge an Löschmitteleinheiten (LE) bewirkt jedoch
keine erkennbaren Vorteile, mindestens bei Bränden in kleinzelligen
Nutzungseinheiten. Im Vergleich mit einem Löschgerät mit > 6 LE ist es aus
brandschutztechnischer Sicht vorteilhafter, mehrere „kleinere“ Feuerlöscher mit z.B.
2 LE strategisch in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz zu positionieren. Ein
schwerer Feuerlöscher muss erst aus bis zu 20 m Entfernung herbeigeschafft und
ausgelöst werden. Dabei läuft der Anwender Gefahr, dass in dieser Zeit der
Entstehungsbrand bereits nicht mehr ohne Eigengefährdung bekämpft werden kann.
Die Rauch- und Wärmeentwicklung in dem oben beispielhaft genannten Szenario
eines Papierkorbbrandes in einem Büro kann in der Zeitspanne, bis der Feuerlöscher
einsetzbar ist, soweit fortgeschritten sein, dass eine gefahrlose Brandbekämpfung
durch Laien nicht mehr möglich ist.

Die für die Brandbekämpfung eingesetzten Laien verfügen nicht über eine geeignete
Schutzausrüstung. Ebenso sollen sie alles tun, um sich nicht selbst zu gefährden.
Gerade der sich schnell ausbreitende Brandrauch wird in seinem
Gefährdungspotenzial immer wieder unterschätzt. Demzufolge ist auch ein kleines,
aber sehr schnell verfügbares Löschgerät das einen Brand der von einem Laien noch
bekämpft werden kann völlig ausreichend.


Umsetzung bei Deutsche Post DHL

Die Arbeitsstätten bei Deutsche Post DHL werden auf Grundlage der
Gefährdungsbeurteilung künftig wie folgt mit Feuerlöschern ausgestattet:

1. In Büro- und Verwaltungsräumen und anderen Räumen/Bereichen/Nutzungen
bis zu ca. 3,5 m Deckenhöhe mit normaler Brandgefährdung können
im Bestand die vorhandenen Feuerlöscher verbleiben, auch wenn sie weniger
als 6 LE haben.
Bei neuen Arbeitsstätten und bei Ergänzungen sind Feuerlöscher mit
weniger als 6 LE einzusetzen. Hier können auch Feuerlöschspraydosen
(andere Löschgeräte gemäß ASR A2.2) eingesetzt werden, wenn diese über
das GS-Zeichen und ein von einer dafür zugelassenen MPA geprüftes
Löschvermögen von mindestens 5 A bzw. 1 LE nach DIN EN 3 verfügen.
Sie sind so anzuordnen, dass sie von jedem Arbeitsplatz aus in möglichst
kurzen Abständen zu erreichen sind.

2. In Räumen/Bereichen/Nutzungen mit mehr als 3,5 m Deckenhöhe, wie z.B. in
den Betriebsbereichen der Brief- und Paketzentren oder
Räumen/Bereichen/Nutzungen mit erhöhter Brandgefährdung können
im Bestand die vorhandenen Feuerlöscher (auch mit weniger als 6 LE)
verbleiben, sofern die Gesamtzahl der notwendigen Löschmitteleinheiten
erreicht wird. Wenn in diesen Räumen/ Bereichen/Nutzungen Feuerlöscher
ersetzt oder ergänzt werden, sind solche mit mindestens 6 LE zu verwenden.

In neuen Arbeitsstätten ist die Mindestlöschmitteleinheit je Feuerlöscher von
6 LE umzusetzen. Hier kann ein Entstehungsbrand auf Grund der räumlichen
Ausdehnung der Betriebsbereiche in der Regel länger und gefahrloser
bekämpft werden, da die Rauch- und Wärmeentwicklung ein Annähern an den
Brandherd noch über einen längeren Zeitraum ermöglicht.
Durch die gegenüber der ASR A2.2 abweichende Ausstattung wird nach dieser
Gefährdungsbeurteilung das Sicherheitsniveau sogar verbessert. Die Eingreifzeiten
zur Entstehungsbrandbekämpfung und die Gefährdung der Beschäftigten werden
wesentlich verringert.


Entfernung zum nächstgelegenen Feuerlöscher und deren Standorte gem. ASR

Die Einführung einer maximalen Laufweglänge ermöglicht eine verbesserte
Aufteilung der Löschmittelkapazitäten. Die Arbeitsstätten bei DPDHL werden von den
Brandschutzbeauftragten diesbezüglich überprüft. Werden hierbei größere
Abweichungen festgestellt, sind die Brandschutzberater des Konzerns mit heran zu
ziehen. Grundsätzlich wird das Sicherheitsniveau jedoch durch die vorgegebene
maximale Laufweglänge verbessert.

Zur Gewährleistung einer problemlosen Verwendbarkeit sind in den Arbeitsstätten
die vorhandenen Feuerlöscher-Standorte zu überprüfen. Sollten Feuerlöscher mit
einer Griffhöhe über 1,2 m angebracht sein, ist die Montagehöhe herabzusetzen.
Andere Feuerlöschgeräte mit einem von einer dafür zugelassenen MPA geprüften
Löschvermögen von mindestens 5A bzw. 1 LE nach DIN EN 3, wie z. B.
Feuerlöschspraydosen mit weniger als 2 kg Gewicht, können auch mit einer höheren
Griffhöhe angebracht werden.


Wartung und Prüfung

In der ASR 13/1,2 wurden keine Aussagen zu Wartungsfristen von Feuerlöschern
gemacht. Die BGR 133 sah vor, Feuerlöscher in Abständen von höchstens zwei
Jahren zu warten.

Die ASR A2.2 empfiehlt nun, dass Feuerlöscher zur Sicherstellung der
Funktionsfähigkeit mindestens alle zwei Jahre zu prüfen sind. Weiterhin ist durch z.B.
Anbringen einer Plakette auf der Feuerlöscheinrichtung kenntlich zu machen, wenn
bei der Wartung keine Mängel festgestellt wurden.

Derzeit werden am Markt Feuerlöscher angeboten, welche seitens des Herstellers
eine Wartungsfreiheit von z. B. 4 bis 6 Jahren besitzen. Solche Feuerlöscher
brauchen, wenn keine anderen möglicherweise schädigenden Einflüsse vorliegen
(z.B. erhöhte Staubbelastung, mechanische Beschädigungen etc.) auch nur in den
vom Hersteller vorgegebenen Fristen gewartet zu werden.

Zur Minimierung der Wartungskosten wird Deutsche Post DHL künftig die
Arbeitsstätten mit Feuerlöschern ausstatten, für die vom Hersteller möglichst lange
Wartungsintervalle vorgegeben sind. Für bereits vorhandene Feuerlöscher sind die
vom Hersteller festgelegten Wartungsintervalle einzuhalten.

Werden bei den Wartungen keine Mängel festgestellt, sind z.B. Plaketten zur
offensichtlichen Kenzeichnung anzubringen. Bei Mängeln hat der Arbeitgeber
unverzüglich einen Austausch oder eine Reparatur der Feuerlöscheinrichtung
durchführen zu lassen. Eine Plakette darf in diesem Fall nicht angebracht werden.


Schlussbemerkung

Wird für eine Arbeitsstätte keine Gefährdungsbeurteilung erstellt und sie der ASR
A2.2 folgend mit Feuerlöschern ausgestattet, sind die Beschäftigten in einem
Brandfall häufig höheren Gefahren ausgesetzt als notwendig und zulässig. Wir
haben mit unserer Gefährdungsbeurteilung Schutzziele für unsere Beschäftigten
festgelegt, die höher sind als die, die wir mit der ASR A2.2 erreicht hätten.


1) Bei Deutsche Post DHL sind in Deutschland 6 Brandschutzberater eingesetzt, die unmittelbar dem
Riskmanagement unterstellt sind. Sie sind die fachlich zuständigen Ansprechpartner für ca. 160
Brandschutzbeauftragte des Konzerns.